Musikjournalismus & Neue Musik
Eine Arbeitstagung im Schloss Gottesaue
Neue Musik - ein schwieriges Thema. Vor allem, wenn man als Journalist darüber berichten will. Deshalb hat das Institut LernRadio der Hochschule für Musik Karlsruhe zusammen mit dem Deutschen Musikrat und der Gesellschaft für Neue Musik eine Tagung organisiert. Vom 7. bis 9. November 2007 haben im Karlsruher Schloss Gottesaue - dem Sitz der Musikhochschule - viele Menschen diskutiert. Journalisten, Musikwissenschaftler, Musiker, Komponisten und nicht zuletzt die Studierenden der Hochschule.
Wir vom LernRadio haben bei der Tagung viele verschiedene Aufgaben: erstmal halten wir alles mit der Kamera fest, dann kümmern wir uns um die (Ton-) Technik, einige von uns schreiben Artikel für die Neue Musikzeitung und: wir üben uns natürlich in Kritik…
Die Tagung aus Sicht einer Teilnehmerin
Als ich den Velte-Saal betrete, der als unser Kammermusiksaal eigentlich stets mit akkuraten Stuhlreihen versehen ist, ergibt sich ein anderes Bild als gewohnt: In Grüppchen sitzen die Fachleute um Tische und unterhalten sich angeregt. Dass die anwesenden Komponisten, Journalisten und Musikwissenschaftler nicht immer einer Meinung sind, wird mir bereits in den Eröffnungsreden klar: Es geht um die Fragen „Braucht Kunst Kritik?“ und „Braucht Kritik Kunst?“. Hier halten sich die schaffende und die kritisierende Zunft gegenseitig den Spiegel vor. Es sprechen: Markus Hechtle, Komponist, sowie Dr. Lydia Jeschke (Musikjournalistin, SWR) und Gerhard R. Koch (Musikkritiker, FAZ).
Am Donnerstag Abend präsentierten sieben Kompositionsschüler von Wolfgang Rihm dem kritikfreudigen Publikum Stücke aus der „laufenden Produktion“. Trotz des nachmittäglichen Workshops mit Dr. Reinhard Schulz (nmz) zum Thema „Konzertkritik“ bin ich nicht wirklich darauf vorbereitet, was es heißt, eine Kritik zu schreiben. Wenn ich gleichzeitig schreibe, kann ich gar nicht mehr richtig zuhören: Obwohl ich als Frau selbstverständlich multitaskingfähig bin, unterbricht jeder Griff zum Kugelschreiber die Musik in meinem Kopf. Nachher allerdings bin ich dankbar für meine gekrakelten Notizen wie „vielschichtiger Klangcharakter“ oder „fragile Intimität“. Die größte Hilfe leisten mir allerdings die Komponisten selber, die mir nach dem Konzert bei einem Glas Bier milde gestimmt (fast) sämtliche Kompositionskonzepte verraten.
Fazit: Kunst braucht vielleicht keine Kritik, aber Künstler und Kritiker können sich unter Umständen ganz gut verstehen!
von Annette Börger
TV-Sondersendung über die Tagung vom 17.11.2007
Auch für die neuen Studierenden des LernRadios war die Tagung eine optimale Gelegenheit, direkt ins kalte Wasser zu springen. Für unser Web-TV-Studentenmagazin ExtraHertz haben sie sich Kameras und Mikrofone geschnappt und gleich eine komplette Sondersendung auf die Beine gestellt. Beim LernRadio lernt man eben sehr schnell!
Die Sendung können Sie sich auf der Website von Extrahertz ansehen und herunterladen. Es moderieren Anna Austrup und Marie Baumann.
Mehr Informationen zur Tagung sowie das genaue Programm finden sie auf der eigens dafür eingerichteten Website.

