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"Von Tieren und Menschen"

Benefizkonzert des Vereins "Yehudi Menuhin - Live Music Now Oberrhein"

© Lena Schmidtke

Von Lena Schmidtke am veröffentlicht.

© Lena Schmidtke

Mit seinem fast schon abgehackten, unverwechselbaren Sprechgesang trat Heinz Rühmann auf: „So ein Regenwurm hat's gut, so ein Regenwurm hat's fein, ach könnt' ich doch ein Regenwurm, ein Regenwürmchen sein!“. Was einst der Komikerlegende gelang, schafft nun Bariton Lorenzo de Cunzo mit seiner Interpretation des Rühmann-Klassikers: Er zaubert ein Lächeln auf alle Münder im Saal.

Rund 300 Sponsoren und Förderer sind zum Benefizkonzert von „Yehudi Menuhin – Live Music Now Oberrhein e.V.“ gekommen. Größtenteils ältere Männer und Frauen - in Anzug, Hemd und Sakko, Kleid oder schicker Bluse. Sie sitzen in ordentlich aufgestellten Stuhlreihen im Lichthof der Badischen Versicherungen in Karlsruhe. In dem innenhofartig angelegten Raum mit den hohen Decken kann sich die Musik der 14 Musiker des Stipendiatenprogramms voll entfalten. Sie alle treten unter dem Motto „Von Tieren und Menschen“ auf: Ein Streichquartett spielt Haydns „Lerchen-Quartett“, ein Klavierduo bietet Das Aquarium aus Karneval der Tiere dar, eine Sopranistin führt Barbieris La canción de la paloma, also "Das Lied der Taube", auf.

© Lena Schmidtke

Bei Xiang Xus Auftritt steigt die Stimmung im Saal dann massiv. Der chinesische Tenor trifft bei der Arie des Fenton aus Nicolais Oper Die lustigen Weiber von Windsor perfekt den Ton der deutschen Spieloper. Herausragend auch Daniela Sánchez und Kevin Guerra Rondón, die als Duo Querflöte / Cello unter anderem den Hummelflug aus der Oper Das Märchen vom Zaren Saltan spielen – und zwar mit solcher Leichtigkeit und Hingabe, dass die Hummel regelrecht durch den Saal zu schwirren scheint. Den Hummelflug, und auch ihr restliches Programm, haben die beiden Musiker speziell für ihre Instrumente bearbeitet.

De Cunzo, Xu, Sánchez, Rondón und die anderen Musiker sind Stipendiaten des gemeinnützigen Vereins „Yehudi Menuhin – Live Music Now Oberrhein“. Jedes Jahr im November lädt er zum Benefizkonzert und erinnert damit an die Ideale und Ideen des Jahrhundertgeigers. Menuhin hatte sich die Förderung junger Musiker zur Lebensaufgabe gemacht: Er rief Wettbewerbe und Projekte für den musikalischen Nachwuchs ins Leben und gründete 1977 Live Music Now in England. 1992 etablierte sich der erste Verein in Deutschland; seit 2000 gibt es Live Music Now in Karlsruhe.

Musik ist manchmal einfach besser als jede Medizin.– Alice Dodd, 1. Vorsitzende des Vereins

Der Verein fördert begabte junge Musiker und bringt gleichzeitig Musik zu Menschen, die kein Konzert besuchen können. Dieses Jahr sind es 52 Stipendiaten, die Konzerte in Krankenhäusern, Einrichtungen für Behinderte, Senioren- und Pflegeheimen oder Strafvollzugsanstalten geben. „Musik ist manchmal einfach besser als jede Medizin. Unsere Stipendiaten versuchen, die Menschen auf andere Gedanken zu bringen und sie ihren Alltag für eine Weile vergessen zu lassen“, meint Alice Dodd, 1. Vorsitzende des Vereins. Die wenigsten Besucher der Live Music Now Konzerte sind jedoch mit klassischer Musik vertraut und damit oftmals schwieriger dafür zu begeistern. So besteht eine Herausforderung auf beiden Seiten: das Publikum muss sich auf die Musik einlassen, die Musiker müssen lernen, von Anfang an durch Musik zu fesseln. Daneben sammeln sie Bühnenerfahrung und trainieren, mit ihrer Nervosität umzugehen.

Jeder Stipendiat gibt zwischen fünf und zehn Konzerten pro Jahr; das macht insgesamt rund hundert Konzerte, die durch den Verein veranstaltet werden. Allein in diesem Jahr hat der Verein die Musiker deshalb mit über 30.000€ gefördert. Seit der Vereinsgründung vor 17 Jahren sind insgesamt mehr als 400.000 € in die Unterstützung junger Musiker geflossen. Live Music Now ist von Spenden abhängig, da der Verein selbst keine Einnahmen erzielt. Alice Dodd und die anderen 19 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich im Verein, sodass alle Spenden direkt an die Stipendiaten fließen. Die Vereinsmitglieder kümmern sich unter anderem um die Pressearbeit, juristische Angelegenheiten, die Pflege der Website, die Erstellung von Konzertplänen, Buchprüfung, den Kontakt zu den Einrichtungen, in denen die Konzerte stattfinden, und - nicht zuletzt - um Fundraising.

„So ein Würmchen hat kein Blut, so ein Würmchen hat kein Herz“ sang Heinz Rühmann - viel Herzblut steckt „Yehudi Menuhin – Live Music Now Oberrhein e.V.“ in seine Nachwuchsförderung und in das Ziel, Musik zu Menschen zu bringen, die kein Konzert besuchen können.