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Junger Kulturkanal

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5 Kammerkonzerte pro Woche

Stage@seven vom hr-Sinfonieorchester Frankfurt

Von Ulrich Wiederspahn am veröffentlicht.

Wegen Corona in geringer Besetzung

Durch ihr Livestreamangebot konnten das hr-Sinfonie-Orchester und die hr-Bigband in der Coronakrise ihre Konzertreihen schnell wieder aufnehmen. Im Rahmen von stage@seven spielen die Musiker*innen fünf Kammerkonzerte pro Woche – reduzierte Besetzung, Mindestabstand, kein Publikum im Saal. Die Resonanz ist positiv.

Man schreibt nicht solche Musik, wenn man nur Schönes erlebt.– Valentin Scharff - Celist

Cellist Valetin Scharff über die neue Situation

Livestreams seit dem 1. April

Bei einem dieser Konzerte spielten die Musiker in Frankfurt Dimitri Schostakowitschs Klavierquintett in g-Moll op. 57. Das 1940 erschienene Werk ist selbst für Schostakowitschs Verhältnisse sehr facettenreich: Das Quintett beginnt mit einem Präludium, der zweite Satz ist eine Fuge: Die Anlehnung an Johann Sebastian Bach ist formal unverkennbar. Von der Düsternis des ersten Satzes werden die Zuhörer in einen fröhlichen, fast absurd romantischen Abschluss geführt. Die einzige Konstante in diesem Werk ist der Kontrast.

Die Musiker präsentieren dieses Werk in jeder Hinsicht ausgewogen: Das stählerne Präludium wird nie gefühllos gehämmert - die Spritzigkeit im Finale wirkt ironisch, aber nicht lächerlich. Auch lassen sich die Musiker gegenseitig ihre Freiräume, was besonders in den polyphonen Stellen zum Tragen kommt. In der Fuge verschmelzen die Streicher klanglich so sehr miteinander, dass man mit geschlossenen Augen oft nicht mehr weiß, welches Instrument man gerade hört: Eine größere Einheit kann es nicht geben.

Allgemein wirkt die Interpretation der Musiker im positiven Sinne sehr unauffällig: Man bemüht sich nicht, aufzufallen, besonders forsch oder schwelgerisch zu spielen. Und diese trotzdem sehr emotionale Nüchternheit macht den Zauber von Schostakowitschs Musik aus.

Für die Orchestermusiker ist es eine willkommene Alternative, Kammermusik statt großer Sinfonien zu spielen: „Ich bin eigentlich sogar über die Kammermusik erst ins Orchester gekommen“, erzählt der Cellist des Abends Valentin Scharff. Diese völlig andere Art zu musizieren – wesentlich engerer Kontakt zu den Mitspielern, feiner abgestufte Balancen in Dynamik und Intonation – meistern er und seine Kollegen hervorragend.

Resonanzen

Das Livepublikum fehle den Musikern schon, sagt Valentin Scharff. Die Internetnutzer applaudieren aber tonlos in den Kommentaren: Mehrere Kommentatoren bedanken sich für die Einführung(präsentiert von Bratschist Dirk Niewöhner). Dass diese aus den Reihen der Musiker selbst kommt, gefällt ihnen gut.

Fast schon poetisch kommentiert einer das Spiel der Musiker: „Die intime und perfekt entsprechende Miteinanderwirkung zwischen den fünf Virtuosen ist wahrlich ergreifend“.

Auch die Reichweite des Orchesters durch den Livestream ist ziemlich beeindruckend: Zuhörer melden sich in der Kommentarspalte aus den USA, Japan oder Brasilien. Circa 2200 Klicks hat das Video bekommen und damit mehr Menschen erreicht, als in den großen Saal der Alten Oper Frankfurt passen würden. Dass die "Notlösung" Livestream so gute Ergebnisse erzielt, kann sich wirklich sehen lassen.