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Corona und Kultur

Wie uns das Virus auf neue Wege zwingt

© CDC

Von Marcel Hiller, Johannes Heuft, Milena Jaiser, Pauline Link, Laura Schiffler, Ulrich Wiederspahn und Tabea Wilkens am veröffentlicht.

Kein Konzert, kein Geld

Jonathan Stockhammer

"Auf der einen Seite denkt man, es wird schon vorbeigehen. Auf der anderen Seite, weiß ich nicht, wo das nächste Essen herkommen soll.“

Das sagt Dirigent Jonathan Stockhammer, er ist freiberuflicher Dirigent und weltweit angesehen. Normalerweise wäre er diesen Monat in Finnland für eine Produktion zu Gast gewesen. Doch alle Auftritte der nächsten drei Monate sind abgesagt. Den Familienvater trifft die Corona-Krise hart. Sein Einkommen ist die Existenz für seine vierköpfige Familie. Die Kinder sind gerade mal zwei und vier Jahre alt. Die Rücklagen steckten Jonathan Stockhammer und seine Frau in eine neue Wohnung, die groß genug zum Arbeiten und Leben ist.
Stockhammer war gerade in Wien und stand mit einem Orchester kurz vor der Premiere. Doch dann die Nachricht, dass die komplette Produktion nicht stattfinden wird. Zahlreiche Engagements wurden abgesagt. Von heute auf morgen kein Einkommen mehr.

„Ich kann wirklich nur Trost finden, indem ich weiß, dass viele Leute in demselben Boot sind und wir irgendwie eine Lösung finden müssen.“

Milena Jaiser hat sich mit ihm und anderen freischaffenden Künstlern über die aktuelle Lage unterhalten.

Social Media - die neue Bühne für Musiker und Künstler

Ein Livestream ersetzt keinen Konzertsaal, ist aber besser als gar nichts.– David Aschoff, Ponte Ulm

Anfang März kam alles Schlag auf Schlag. Stufenweise wurden Veranstaltungen ab einer gewissen Anzahl von Personen verboten, um die Ausbreitung des Corona-Virus so gut es geht einzudämmen. Und nun gibt es zur Ausgangsbeschränkung auch ein generelles Veranstaltungsverbot. Das sind schlimme Nachrichten für Musiker und Künstler.

Keine Konzerte - keine Bühne - keine Einnahmen. Alternativen mussten her, und die finden sich zunehmend im Internet. Marcel Hiller hat mit David Aschoff gesprochen, der im Rahmen des Projektes “Ponte Ulm” Livestreams mit Musikern auf Facebook anbietet und mit dem Pianisten Frank Dupree, der regelmäßig via Instagram Hauskonzerte überträgt. Die Musiker sitzen in ihren Wohnzimmern und streamen die Konzerte über ihr Handy.

Freischaffende Musiker haben übrigens seit Freitag die Möglichkeit, finanzielle Soforthilfen bei Bund und Ländern zu beantragen. Dabei können Musiker-Verbände wie der Verband Deutscher Musikschaffender (VDM) Unterstützung leisten, die Anträge auszufüllen und die aktuelle Lage für Musiker besser einzuschätzen.

Es fallen 100% der Einnahmen weg!– Frank Dupree

Instrumentalunterricht trotz Ausgangssperre

© Tabea Wilkens

Hier zeigen sich Interesse und Unsicherheit der Musiklehrer, denn mit der neuen Technologie verändert sich der Unterricht ganz stark– Matthias Krebs, Medien- und Musikpädagoge

Instrumentalunterricht per Video war bis vor Kurzem nur für wenige eine Option. Die Kontakteinschränkungen lassen plötzlich jedoch kaum eine Alternative und so haben die meistens Lehrer darauf umgestellt.

Das birgt nicht nur technische Herausforderungen, sondern auch pädagogisch ändert sich die Unterrichtsstruktur komplett.

Wie das in der Realität klappt und wie es Schülern und Lehrern dabei ergeht, hört ihr in diesem Beitrag von Tabea Wilkens.

Wie halten die Veranstalter durch?

Nicht nur Künstler, sondern auch Veranstalter sind schwer von der Corona-Krise getroffen. Erst waren alle Großveranstaltungen abgesagt, dann mit dem Erlass vom Freitag, den 13.03., sämtliche Veranstaltungen. Miete, Löhne und andere laufende Kosten müssen irgendwie bezahlt werden und die ersten Veranstalter bangen um ihre Existenz.

„Ein, zwei Monate können wir noch durchhalten, aber wenn es bis September Einschränkungen gibt, müssen wir schließen. Selbst wenn wir durchhalten, unsere Rücklagen sind weg. Ein Sturmschaden im Winter könnte trotzdem das Aus sein.“

Das sagt Fabienne Stocker vom Karlsruher Club Substage. Wie steht es um vergleichbare Orte, wie dem Tollhaus, der Hemingway Lounge, oder auch der Stadtmitte? Wie lange können sie diesen Shutdown noch durchhalten? Und reichen die Hilfspakete der Stadt und des Bundes? Reporterin Pauline Link hat mit den Veranstaltern gesprochen und auch Tipps für euch, wie ihr eure Lieblingsbühne unterstützen könnt.

Krisenkinokummer

Bohemian Rhapsody, Star Wars, Harry Potter. Was haben wir alle dem Kinostart entgegenfiebert. Genau wie auf den Film haben wir uns auf die Portion Nachos gefreut, die nach der Werbung schon wieder komplett aufgefuttert war. Doch in Coronazeiten muss man sich die Vorfreude auf Kinobesuche noch ein bisschen länger bewahren. James Bond und die Känguru-Chroniken müssen aktuell also noch auf uns warten und die Kinos auch, denn sie sind natürlich geschlossen. Leere Säle, ob Filmpalast am ZKM, Schauburg oder Kinemathek. Keine Besucher heißt aber natürlich auch kein Geld in den Kassen. Die Kinos in Karlsruhe gehen mit dieser schwierigen Situation unterschiedlich um. Während die einen finanzielle Unterstützung brauchen, haben andere noch zumindest mittelfristig finanzielle Mittel. Für Filmfans gibt es verschiedene Möglichkeiten, ihrem Lieblingskino zu helfen - sei es auch nur in Form einer solidarischen Geste. Johannes Heuft hat bei Karlsruher Kinos nachgefragt, wie sie die Krise bewältigen.

Digitale Ausstellungen

Wir haben uns nicht gefragt, wie man das Museum im Internet jetzt „nachspielen“ kann, sondern, was die Leute gerade brauchen . – Tabea Schwarze, Kunsthalle

Einen Tag im Museum verbringen - eine beliebte Beschäftigung, die aktuell durch Corona unmöglich ist. Auch in Karlsruhe sind alle kulturellen Einrichtungen geschlossen. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und das Badische Landesmuseum haben aber Möglichkeiten gefunden, wie sie ihren BesucherInnen bzw. Nicht-BesucherInnen auch in der Quarantäne ein kulturelles Angebot liefern können. Beiden Museen war es wichtig, möglichst schnell auf die Coronakrise und die damit verbundene Schließung zu reagieren. Technisch muss dabei ab und zu auch mal improvisiert werden. Aber Perfektion ist auch nicht der Anspruch laut Tabea Schwarze (Kunsthalle) und Michael Danz (Badisches Landesmuseum), sondern sie wollen zeigen, dass es trotzdem weitergeht und sie den Menschen zuhause etwas bieten können. Das Landesmuseum stellt z.B. einen Online-Katalog des Bestandes zur Verfügung und postet jeden Tag ein Video mit Einblicken in die Sammlungen und Ausstellungen. Die Kunsthalle stellt unter anderem ihre Ausstellung in 360-Grad-Aufnahmen dar und bietet Tutorials zum Mitmachen. Ein Beitrag von Laura Schiffler.

Wie neutral berichten die Medien?

Medienwissenschaftler Otfried Jarren

"Die für Talksendungen und Unterhaltung zuständigen Personen haben eine einfache Programmplanung: Corona."

Das schrieb der Medienwissenschaftler Otfried Jarren im Evangelischen Pressedienst am 27. März 2020.

Otfried Jarren war Professor am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung an der Universität Zürich. Er kritisiert, dass die Medien nicht nur zu viel über Corona berichten, sondern auch unausgeglichen: Immer wieder dieselben Menschen werden als Experten befragt, die Medien geben oft ohne zu hinterfragen die politischen Statements wieder und bringen Sendungen, die an den Interessen des Publikums vorbeiführen. Er bezeichnet deshalb das Fernsehen sogar als "Systemmedium". Das Interview führte Ulrich Wiederspahn.