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Junger Kulturkanal

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Das erste Corona-Konzert

James Blunt vor der leeren Elbphilharmonie

© Danny Jungslund / Telekom Street Gigs

Von Marcel Hiller am veröffentlicht.

Nice to be here, really cool building. Me and my band – and you guys.– James Blunt

Als Weltstar ist man ein großes Publikum gewohnt. Tausende Besucher in einer Arena, oder ein Millionenpublikum an den Bildschirmen. James Blunt schreckt keine dieser Zahlen mehr zurück.

So hat er auch keine Scheu vor 360-Grad-Kameras, vor denen er am 11. März bei den Telekom Street Gigs in der Hamburger Elbphilharmonie gespielt hat. Dass es in der Elphi aber nur bei diesen Kameras bleiben wird, hat vorher niemand geahnt.

© Markuss Nass / Telekom Street Gigs

James Blunt vor einer 360-Grad-Kamera

Das erste Corona-Konzert Deutschlands

Am gleichen Tag beschloss die Stadt Hamburg das Verbot für Veranstaltungen. Somit mussten auch Konzerthäuser für den Publikumsverkehr schließen.

Schnell einigten sich Telekom, Elbphilharmonie, Warner Music und James Blunt selbst, das Konzert ohne Publikum stattfinden zu lassen. Statt vor 2.000 Personen spielte er nur noch für die Kamera. Das Publikum war zuhause vor dem Bildschirm. Durch die 360-Grad-Kameras waren die Zuschauer dennoch nah an James Blunt. Laut Telekom sahen insgesamt rund 1,7 Millionen Zuschauer den Stream, der professionell produziert wurde.

James Blunt spielte in einer magenta- und gold-beleuchteten Elphi. Die virtuelle Nähe spürte James Blunt auf der Bühne. Schon im ersten Song legte er sich ins Zeug und brachte mit How It Feels To Be Alive einen powervollen Eröffnungssong. Dabei bewegte er sich auf der Bühne hin und her, als wäre Publikum da. Es folgten direkt im Anschluss seine Hits, wie The Truth, oder auch Klassiker, wie Wisemen oder You’re Beautiful. In seinem 90-minütigen Konzert folgt Song auf Song. Wenig Pausen, wenig Moderation, nur die Musik.

This is a really quiet song. Okay. So, no clapping, no chearing. Just keep it really quiet out there.– James Blunt

© Markuss Nass / Telekom Street Gigs

James Blunt singt in die Kamera

Das sind einige seiner wenigen Worte, die er moderiert. Auch bedankt er sich nach den Songs bei seinen Zuschauern – für den Applaus auf Distanz. In einem Satz nimmt er Bezug zur Situation und deutet an, dass leere Konzerthäuser das Bild der nächsten Monate sein werden. Das Wort Corona wird aber kein einziges Mal genannt. James Blunt ließ seine Zuschauer die zum Zeitpunkt des Konzerts aufkommende Corona-Krise für einen Moment vergessen. 

Sonst bleibt James Blunt komplett bei seiner Musik und zieht das Konzert mit aller Kraft durch. Schon nach wenigen Songs liefen James Blunt die Schweißperlen vom Kopf. Am Ende, nachdem er auf dem Klavier stehend mit seinem iPhone die leere Elphilharmonie abgefilmt hat, ging er mit nassgeschwitztem T-Shirt von der Bühne. Aber nicht, ohne mit Bonfire Heart einen seiner großen Hits als Zugabe zu singen.

Im O-Ton erzählt James Blunt über sein erstes Konzert ohne Live-Publikum:

(Telekom Street Gigs)

Ein Powermann, der trotz mangelndem Publikum ein großartiges Konzert spielt, als würde er immer fürs Internet spielen. Dabei hat er dies am 11. März zum ersten Mal getan. Dieses einzigartige Konzert ist auf der Webseite der Telekom Street Gigs weiterhin verfügbar.

© Markuss Nass / Telekom Street Gigs

Die Elphi während des Konzerts