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Das ist doch Abgeguckt!

Eine kleine Zeitreise durch die Abschreibkultur

© Pixabay

Von Lena Hofbauer am veröffentlicht.

Dieses Thema lief in der Sendung JKK KultUhr am 14.11.2018 um 19:00 Uhr.

Eine Geschichte über das Abschreiben

"Und das ist alles nur geklaut...".

Das Urheberrecht macht es vielen Komponisten oder DJs heutzutage schwer, Musikzitate zu verwenden. Aktuell gilt es nämlich mindestens 70 Jahre bis nach dem Tod des Komponisten. Erst danach sind die Werke frei.

Aber wie sah es früher mit dem „Musik abschreiben“ aus?

In der Klassiksendung "KultUhr" sind Ulrich Wiederspahn und Lena Hofbauer der Sache mal auf den Grund gegangen.

Ja, wenn die Schweine nichts mit ihren Ideen anzufangen wissen!– G.F. Händel

Von Pachelbel über Beethoven, Schubert und Co

Weltbekannte und beliebte Melodien wie zum Beispiel der „Kanon in D“ von Johann Pachelbel tauchen in vielen Stücken auf. Sogar in der Disko kann man dem klassischen Kanon begegnen.

Ganz dreist möchte man meinen, schreiben Bands und Komponisten einfach von anderen ab. Das mit dem Abschreiben ist aber so eine Sache. Bellini und Donizetti stritten schon heftig um gegenseitigen Opernklau. Andererseits genießen Bach und andere hochrangige Komponisten zu ihrer Zeit die Aufmerksamkeit, die durch das Abschreiben ausgedrückt wurde. Bach im eigenen Werk einzubauen war beispielsweise eine Ehre für den Komponisten.

In der Renaissance war es üblich, einen neuen Text zu einer bekannten Melodie zu schreiben oder ihn in eine andere Sprache zu übersetzen. Der veränderte Text macht das Stück dann zu einem Neuen. Dieses Mittel nennt man auch Kontrafaktur. Luther war hier ein wichtiger Übersetzer.

Der große Abschreiber Händel, der meistgespielte Komponist Bach & das Idol Beethoven

Händel hat nicht nur von anderen abgeschrieben, sondern auch von sich selbst. Sogar mehrmaliges Abschreiben von seinen eigenen Werken ist bekannt. Es entwickelt sich eine neue Art des Abschreibens: Das Pasticcio. Hier werden eigenes und fremdes Material vereint.

Bach brachte sich mit dem Abschreiben das Komponieren bei und zählt bis heute zu den meistgespielten Komponisten.

Nach der Entwicklung der Parodie im Barock, bei welcher die Musik an veränderte Vorstellungen angepasst oder für einen anderen Zweck umgeschrieben wird, greifen Schubert und Co nach Inspirationen Themen ihrer Idole auf. Ein Idol war beispielsweise Beethoven.

Hier findet ihr den kompletten Beitrag zum Thema "Abschreiben in der Musik":

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Wäre doch schade um die schöne Melodie.– G.F. Händel

Und jetzt? Hat es das Abschreiben gebracht?

Eines ist klar: Ohne das Klauen von Musikfragmenten hätte sich die Musik nicht so weiterentwickelt. Es war eine Wertschätzung, sparte den Komponisten Arbeit und lies sie experimentieren.

Neben der Transkription (also der Übertragung von Orchesterstücken auf Klavier) heißen die Formen der Bearbeitung heute: Collage, Arrangement, Cover. Wo der Loop ästhetisch im Rap verwendet wird, swingt die Klassik im Jazz als satirische Parodie mit. Die abgeschriebene Klassik im Pop wirkt.