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Junger Kulturkanal

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Frühstücksmusik

Den Beat fühlen

Wie Gehörlose Musik wahrnehmen

© Hanna Leichtle

Von Hanna Leichtle am veröffentlicht.

Den Beat fühlen: für mich gehört zum Tanzen Musik. Deshalb habe ich mich gefragt, wie das eigentlich ist, wenn man die Musik nicht hören kann. Um das herauszufinden, habe ich die Tanzgruppe des Gehörlosen Sportvereins in Karlsruhe besucht.

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Text zum Beitrag

Musik Black Eyed Peas: The Time

5, 6, 7, 8. Trainerin Petra Turner gibt den Einsatz ohne Worte. Sie schwingt die Arme in die Luft und die Tänzerinnen wissen: jetzt geht es los. Musik darf dabei auf keinen Fall fehlen. Auch wenn die Tänzerinnen nichts hören, nehmen sie sie trotzdem wahr (Musik wird leiser):

Über den Bass. Wir haben ja die Musik sehr laut in der Halle. Und das ist Musik, die einen sehr durchgängigen Bass hat und das ist dann praktisch ihr Takt. Nicht nur, dass ich vorne stehe und mittanze mit der Gruppe. Wichtig ist, dass sie auch den Takt fühlen und dann können sie natürlich auch verstehen und die Bewegung, die ich vormache, dann auch umsetzen. – Petra Turner, Trainerin der Tanzgruppe

Das erzählen mir auch die Tänzerinnen Silke Tibor und Sabine Dorn in Gebärdensprache, die für mich übersetzt wird. Sabine spürt die Musik wenn sie laut ist und einen durchgehenden Rhythmus hat. Dann vibriert der Hallenboden. Vor allem, wenn alle gemeinsam tanzen. (Musik ABBA: Waterloo setzt ein) Aber auch außerhalb der Turnhalle hören die beiden ab und zu Musik. Tänzerin Silke hat früher im Auto gerne Musik angemacht, ABBA zum Beispiel. Sie hat die Kassette eingelegt, richtig aufgedreht und dann den Bass gespürt. Heute hört sie Musik meistens nur noch mit der Tanzgruppe. Da kommen Stimmung und Inhalt auch durch die Trainerin Petra Turner rüber. (Musik wird leiser)

Also die Tänze haben bei uns ein Thema und die Musik suche ich passend zu einem Thema aus. So wie zum Beispiel dieser Tanz, der heißt jetzt „Happy“. Es soll Lebensfreude darstellen und ich denke, in den Bewegungen drücken wir das auch aus. Einfach weil ich das ja auch erkläre. Ich erkläre die Musik. Die Musik ist jetzt leicht und fröhlich, wir können jetzt loslassen, wir müssen jetzt nicht so tak, tak, tak, tak, tak machen, sondern wir können uns jetzt, es geht dem Ende zu vom Tanz, und da können wir dann einfach, loslassen und den Tanz fröhlich zu Ende bringen. – Petra Turner, Trainerin der Tanzgruppe

Bei „Happy“ spürt Tänzerin Silke den Spaß im ganzen Körper. (Musik Mark Ronson, Bruno Mars: Uptown Funk setzt ein). Das liegt für sie an der Musik, an der Bewegung und der guten Stimmung, wenn die Gruppe gemeinsam tanzt. Emotional ist das Tanzen für Silke immer. Wie stark hängt vom Tanzstil und der Musik ab. Gute Stimmung herrscht aber nicht nur beim wöchentlichen Training (Musik wird leiser):

Nach der langen Zeit des Trainings, wenn wir tatsächlich einen Auftritt haben. Da bin ich so stolz auf meine Mädels. Wenn wir es dann geschafft haben und wir uns präsentieren dürfen. Das ist der Lohn der ganzen Arbeit, sage ich immer.– Petra Turner, Trainerin der Tanzgruppe

Gemeinsam in den Club gehen die Tänzerinnen zur Belohnung dann aber doch nicht. Sie feiern nach dem Auftritt lieber, indem sie gemeinsam zusammensitzen. Das machen sie auch gerne nach dem Training mal.

(Musik Pharrell Williams: Happy setzt ein) Ich habe gesehen, dass beim Tanztraining der Beat nicht fehlen darf. Aber den kann man genauso gut fühlen wie hören. (Musik wird leiser)

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