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Junger Kulturkanal

LÄUFT

Der Grundton unserer Demokratie

Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble im Interview

© Julia Kesch

Von Clara Schwarz, Tabea Spengler, Madleen Kutterer, Sophie von Jena, Julia Kesch, Veronika Metzger, Lora Ganeva, Samjal-Felix Roozitalab und Katharina Schlegel am veröffentlicht.

Wie klingt Politik?

© Julia Kesch

Dr. Wolfgang Schäuble während seiner Rede im Wolfgang-Rihm-Forum

Das neue Semester einläuten - das macht Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit besonnener Stimme und warmen Worten. Seine Rede ist der Höhepunkt der Akademischen Feier zur Eröffnung des Wintersemesters 2020/21 im Wolfgang-Rihm-Forum der Musikhochschule Karlsruhe.

Wie klingt Politik? Sollte die Antwort „schrill” sein, würde Schäuble das niemandem verübeln. Er jedoch meint, würde Politik nur aus Misstönen bestehen, hätte er längst keine Freude mehr daran. „Der Grundton unserer Demokratie hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Das muss so sein, denn die Welt wandelt sich rasant und wir, die Menschen, ändern uns – unsere Hörgewohnheiten und Erwartungen, die Lebensbedingungen und unser Empfinden für wichtige Werte wie Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit.“

Wie klingt Politik? fragt sich Wolfgang Schäuble. Wie ist Wolfgang Schäuble? haben wir die Gäste gefragt.

Harmonie ist die Anwesenheit der Spannung. Das Aushalten der Spannung. Die Anwesenheit der Spannung im Ausgleich.– Wolfgang Rihm

„Schäuble ist nicht nur Fachpolitiker, sondern er liest viel, er denkt viel, er philosophiert auch gern ein wenig… Also eine ganz besondere Klasse von Politik”, meint CDU-Regionalpolitiker Dr. Erwin Vetter. Diese besondere Ebene sieht auch Peter Weibel: „Der Humor, den er hat, (…) bedeutet einen Erkenntnisvorgang über die Relativität der eigenen Person. (…) Normalerweise glauben Politiker sie müssten ihre Standpunkte mit aller Gewalt durchsetzen. Dass er aber sagt: Nein, ich kann sogar über meinem Standpunkt drüberstehen, das ist dann ein Metastandpunkt.“
Nicht nur seine Person, auch Wolfgang Schäubles Rede hinterlässt Eindruck bei den Gästen. Wolfgang Rihm bemerkt als Komponist vor allem den gelungenen Vergleich von Musik und Politik: „Das ist keine Rede gewesen, die mit Antworten zuklebt, was als Frage im Raum steht, sondern die es jedem ermöglicht weiterzudenken. Die Frage nach dem Harmoniebegriff zum Beispiel. Harmonie ist ja nicht die Abwesenheit der Gegensätze,(...). Harmonie ist die Anwesenheit der Spannung. Das Aushalten der Spannung. Die Anwesenheit der Spannung im Ausgleich, nicht die Abwesenheit der Spannung. Und das ist das, wo das Politische ins Musikalische vergleichbar hineinführt”. Rihm hat die Veranstaltungen bereichert verlassen - und da spricht er sicherlich nicht nur für sich, sondern auch für einen Großteil der übrigen 50 geladenen Gäste. 

Wie klingt Politik? Für uns an diesem Abend jedenfalls nicht schrill. Eher, um Schäuble selbst zu zitieren: „Freudig und vielstimmig”.

Wolfgang Schäuble steht für die Deutsche Einheit, den Deutschen Bundestag und eine langjährige Karriere auf dieser besonderen Ebene der Politik. Als wir Musikjournalismusstudent*innen die Möglichkeit zu einem Interview bekommen, interessiert uns als erstes: Was hält Schäuble von uns Journalist*innen? Er antwortet überlegt und rücksichtsvoll: Wie alle Menschen seien alle Journalist*innen anders. Und: In unserem Zeitalter sei es wichtig, Informationen auszuwählen und auszuwerten. Er habe großen Respekt vor diesem Beruf. Aus unserer Sicht könnte man das auch für seinen Beruf behaupten. Schäuble spricht als einer, der seine eigene Intelligenz nie auftrumpfend nutzt - differenziert aber bestimmt. Unser Gespräch mit ihm über Politik, Musik, Jugend und Klima findet Ihr hier: