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Der Karlsruher Christkindlesmarkt

Ein Blick hinter die Kulissen

© Lea Oestreicher

Von Lea Oestreicher am veröffentlicht.

Es ist wieder soweit: Die Weihachtsmarktsaison ist eröffnet und viele freuen sich auf Bratwurst, Langos und Glühwein. Ein Blick hinter die Kulissen des Karlsruher Christkindlesmarktes.

28. November, 8:30 Uhr. In zweieinhalb Stunden beginnt auf dem Friedrichsplatz der Weihnachtsmarkt. Wie verzaubert scheint das Dorf aus Holzhütten zu sein. Wo sonst Menschen von einem Stand zum nächsten schlendern oder gemütlich zusammen Glühwein trinken, ist noch keine Menschenseele unterwegs. Dicke Wolken hängen am Himmel. Es sieht so aus, als würde es jeden Moment losregnen. Gegen 9 Uhr gehen die ersten Läden auf. Die Buden sind schon so gut wie fertig geschmückt. Jetzt räumen die Händler noch die fehlende Ware ein und bringen den letzten Weihnachtsschmuck an.

Für Manuela Frank ein alltäglicher Vorgang. Seit dem ersten Karlsruher Weihnachtsmarkt – das ist fast 40 Jahre her – sind sie und ihre Familie mit dem „Sattmacherimbiss“ dabei. Sie ist auf dem Weihnachtsmarkt groß geworden, ihre Kinder sind es auch. Seit 20 Jahren leitet sie das Geschäft und verkauft Glühwein und deftiges Essen. Von Januar bis November ist sie mit ihrer Familie als Schaustellerin unterwegs. Es läuft so gut, dass sie vor 14 Jahren sogar einige Angestellte angeheuert hat, die aber nur beim Weihnachtsmarkt helfen.

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Ihr Sattmacherimbiss ist nicht der einzige Stand, der Essen und Trinken verkauft. Manuela Frank spürt unter den Verkäufern trotzdem keine Konkurrenz. „Wir frühstücken auch mal gerne mit unseren Kollegen und schauen bei den Anderen vorbei, erkundigen uns wie es so geht. Jeder macht seine Arbeit mit Herzblut, gerade die, die sich ihr Geschäft selbst aufgebaut haben.“ Die einzige Sorge aller ist das Wetter. Bei Regen, heftigen Minusgraden oder auch, wenn es zu warm ist, bleiben die Kunden aus.

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„Heute Mittag wird das Wetter gut und dann freuen sich alle, dass wieder Weihnachtsmarkt ist. Das ist eine Winzerweisheit.“ Winzer Matthias Keth ist von Anfang an beim Karlsruher Weihnachtsmarkt dabei. Er verkauft Glühwein. Am Weihnachtsmarkt ist er gern selbst vor Ort, um seine Kunden persönlich zu betreuen.

Auch er sieht seine Mitbewerber nicht als Konkurrenz. „Jeder hat seinen eigenen Stil. Wir stellen unsere Produkte selbst her. Deswegen sind wir eh anders und unverwechselbar.“ Keth steht seit 4 Jahren auf dem Friedrichsplatz. Das ist gut für das Geschäft, weil die Besucher ihn immer wieder leicht finden.

Von diesem Vorteil kann Frau Kießling nur träumen. Die Schaustellerin ist mit ihrem Familienunternehmen für dieses Jahr mit 15 anderen Verkäufern auf den Marktplatz verlegt worden. Direkt neben die Baustelle. „Wir wissen nicht was uns jetzt erwartet. Ein Umzug wird von der Kundschaft immer schlecht angenommen. Unsere Kunden suchen uns am alten Platz“ bedauert die 44-jährige, die ihren Vornamen nicht preisgeben will. Kießlings Familie verkauft schon seit über 30 Jahren auf dem Christkindlesmarkt  ihre Bratwürste.

„Es dauert immer zwei bis vier Jahre bis die Kundschaft wieder weiß, wo der Stand steht. Jetzt ist das so wie bei einem neuen Stand, der erst einmal beschnuppert werden muss.“

Das Marktamt Karlsruhe sieht keinen Nachteil für die Verkäufer auf dem Marktplatz. Schließlich sei auch die Lichtpyramide dort, die Besucher anlocken soll. Außerdem sei durch diese Vergrößerung Raum für 16 zusätzliche Stände entstanden. Bei fast 260 Bewerbern und 170 Absagen (im Jahr 2016) sei das ein großes Plus. In diesem Jahr gibt es 106 Stände.

Letztes Jahr wurden 10 Stände nicht zum Christkindlesmarkt zugelassen, die aber in den Jahren zuvor dort verkaufen durften. Vier davon versuchten per einstweiliger Verfügung die Zulassung zu erreichen. Das Verwaltungsgericht hat alle Anträge zurückgewiesen. Um Gerichtsverfahren zu vermeiden und Transparenz bei der Wahl der Verkäufer zu schaffen, gibt es seit diesem Jahr ein neues Zulassungsverfahren. Damit soll jedem Verkäufer die gleiche Chance auf einen Stand auf dem Christkindlesmarkt ermöglicht werden. Aber vor allem soll den Besuchern ein vielseitiges und umfassendes Warensortiment geboten werden. Egal ist, wo die Verkäufer herkommen.

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Diane Rink arbeitet beim Kunstwarenhändler „Chantik“ in Karlsruhe. Der hat es auf den Weihnachtsmarkt geschafft. Außerdem verkauft Rink einmal pro Woche ihre eigene Ware in der Kunsthandwerkerhütte. Sie findet es schade, dass so wenige Verkäufer aus dem Raum Karlsruhe auf dem Weihnachtsmarkt vertreten sind. „Ich fände es schöner, wenn mehr regionale Verkäufer die Chance bekämen auf dem Weihnachtsmarkt ihre Ware zu verkaufen.  Wir sind ja hier in Karlsruhe, da will man doch auch Ware aus Karlsruhe kaufen dürfen und nicht welche aus Köln oder so.“

Doch die Bevorzugung lokaler Bewerber sei gewerberechtlich nicht zulässig, so das Marktamt Karlsruhe. Jeder Bewerber muss mit seinem Produkt überzeugen, egal woher er kommt. Die Essensbuden werden zwar von Ortsfremden betrieben, im Bereich des Kunsthandwerkes seien aber lokale Anbieter häufiger vertreten.

Es ist elf Uhr. Das Wetter hält. Die Besucher kommen. Und für die meisten Verkäufer beginnt die ertragreichste Zeit des Jahres. „Das ist unser Job. Das ist unser Leben“ sagt Kießling. „Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Leute Hunger haben.“