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Der Lockdown war eine sehr arbeitsreiche Phase für mich.

Interview mit Adrian Brendle

© Benedikt Bagger

Von Madleen Kutterer am veröffentlicht.

Für den mehrfach ausgezeichneten Pianisten Adrian Brendle hat Musik einen großen Stellenwert. Mit Madleen Kutterer hat er über seine musikalische Karriere, seinen persönlichen Musikgeschmack und seine Arbeit während der Lockdown-Zeit gesprochen.

Madleen Kutterer: Deinen ersten Klavierunterricht hattest du mit sechs Jahren. Wie bist du zu diesem Instrument gekommen?

Adrian Brendle: Meine Schwester hatte schon Klavierunterricht und ich war wohl in einer Phase, in der ich alles machen wollte, was sie machte – vielleicht sogar noch besser als sie. Also habe ich mich selbstständig ans Klavier gesetzt und versucht da Lieder zu spielen, die ich kannte. So hat alles angefangen.

Madleen Kutterer: Gab es noch ein anderes Instrument, das du gerne lernen wolltest?

Adrian Brendle: Nein. Damals war ich vom Klavier schon sehr begeistert. Ich habe später viel in Chören gesungen. Im Nachhinein finde ich das Cello wunderschön. Das würde ich heute vielleicht spielen, wenn ich noch einmal anfangen würde. Aber ich bin schon sehr zufrieden mit den Klavier.

Ich musste abwägen, ob ich es riskiere.– Adrian Brendle

Madleen Kutterer: Du hast dein Abitur auf dem Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe absolviert. War dir schon während der Schulzeit klar, dass du einmal Pianist werden möchtest?

Adrian Brendle: Ja. Mir war schon während der Schulzeit klar, dass ich Pianist werden möchte. Ich musste nur abwägen, ob ich es riskiere. Aber ab dem Zeitpunkt, als ich dann im Pre-College der Hochschule für Musik Karlsruhe war, war es in meinem Kopf eigentlich schon ziemlich klar. Da war ich 15 Jahre alt. Davor war ich aber schon eine Zeitlang bei meiner ehemaligen Professorin Sontraud Speidel als Schüler.

Madleen Kutterer: Wer hat dich auf deinem Weg am meisten geprägt?

Adrian Brendle: Mit Sicherheit Sontraud Speidel. Bei ihr hatte ich ja schon das Pre-College absolviert und sie hat mir die pianistische und musikalische Basis gelegt. Sie hat mir auch beim weiteren Studium geholfen, als ich für den Master nach London gegangen bin. Dort hatte ich ein außerordentlich solides Fundament, das ich ihr zu verdanken habe.

© Benedikt Bagger

Madleen Kutterer: Wer ist deine musikalische Inspiration?

Adrian Brendle: Vladimir Horrowitz ist für mich eine absolute Ausnahmeerscheinung. Schon als ich ganz jung war, habe ich mir immer gerne Aufnahmen des Pianisten angehört. Außerdem spiele ich sehr gerne Sergei Rachmaninow. Seine Musik genieße ich sehr. Zum einen finde ich seine Musik sehr ansprechend, denn man kann sehr viel damit verbinden. Deswegen wird sie auch oft fälschlicherweise mit Filmmusik verglichen. In seiner Musik steckt aber zum anderen tatsächlich auch eine fantastische Komplexität. Eine Polyphonie, also Mehrstimmigkeit, und auch eine Architektur, die dabei oft vergessen wird. Man sagt ja immer: „Ja, das ist so schön, Rachmaninow, zweites Klavierkonzert …“ Es ist auch eine wunderschöne Musik, aber ich finde, man darf nicht vergessen, was für ein fantastischer musikalischer Kopf er war.

Madleen Kutterer: Was sind deine Lieblingsepochen und -gattungen?

Adrian Brendle: Ich bevorzuge ganz klar die Romantik. Das ist die Musik, bei der mir der Zugang am leichtesten fällt. Eine Gattung zu nennen, ist sehr schwer zu beantworten. In jeder Gattung gibt es tolle Stücke, da habe ich keine Präferenzen.

Madleen Kutterer: Welche Musik hörst du in deiner Freizeit?

Adrian Brendle: Ich höre tatsächlich fast ausschließlich klassische Musik, symphonische Musik oder Opern, selten mal etwas anderes. Die aktuellen Charts holen mich leider nicht ab.

Madleen Kutterer: Entweder Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel?

Adrian Brendle: Bach

Madleen Kutterer: Entweder Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart?

Adrian Brendle: Beethoven

Madleen Kutterer: Entweder Liszt oder Schumann?

Adrian Brendle: Das ist eine schwere Frage. Da muss ich passen. Die beiden sind bei mir beide so hoch angesehen und so wichtig.

Madleen Kutterer: Entweder Igor Strawinsky oder Camille Saint-Saëns?

Adrian Brendle: Strawinsky

Ich habe es trotzdem geschafft, etwas Künstlerisches zu machen.– Adrian Brendle

Madleen Kutterer: Wie erging es dir während der Lockdown-Zeit?

Adrian Brendle: Es war schon eine sehr arbeitsreiche Phase für mich. Ich unterrichte und bin außerdem Fachbereichsleiter an der Stuttgarter Musikschule. Der Unterricht hat vollständig online stattgefunden. Teilweise haben meine Schüler mir auch Aufnahmen zugeschickt, zu denen ich dann Kommentare zurückgeschickt habe. Ich habe auch Fotos von Noten mit meinen Notizen an meine Schüler gemailt. Das war schon zeitaufwendiger als der normale Unterricht.
Ich habe es aber trotzdem geschafft, etwas Künstlerisches zu machen. Zum Beispiel habe ich eine Aufnahme, die ich 2018 in London gemacht habe, auf Spotify, Amazon und allen möglichen anderen Plattformen veröffentlicht. Aber Konzerte waren natürlich alle abgesagt.