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Eine große Portion Hingabe - Interview mit Maria-Elisabeth Lott

© Kirsten Bohlig

Von Veronika Metzger am veröffentlicht.

Maria-Elisabeth Lott hat mit drei Jahren begonnen, Geige zu spielen. Mit acht Jahren fing sie ihr Vorstudium an der Hochschule für Musik Karlsruhe an, jetzt ist sie erfolgreiche Geigerin, Dozentin an der Hochschule für Musik Detmold und hat sich Zeit für ein Gespräch genommen. Mit Veronika Metzger vom Jungen Kulturkanal hat sie über Liebesgeschichten und Lampenfieber gesprochen.

 

Veronika Metzger: Frau Lott, Sie haben Ihre erste Geige bereits mit drei Jahren bekommen. Wahrscheinlich können Sie selbst nicht genau daran erinnern, aber wie kam es denn dazu?

 

Maria-Elisabeth Lott: Die Geige war immer um mich herum und so mit meiner Lebenswelt und meinem Alltag verbunden, dass ich das als Kind auch mal ausprobieren wollte. Meine Eltern sagen, ich hätte schon mit zwei, zweieinhalb Jahren den Wunsch geäußert, unbedingt Geige lernen zu wollen. Mein Großvater hat dann beschlossen, mir zum dritten Geburtstag eine Geige zu schenken. Und die habe ich dann auch bekommen, eine Sechzehntelgeige. Ich habe angefangen und es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht – ich wollte immer gerne üben.

 

Richtig schön, wie eine Liebesgeschichte.

 

Das war es auch, Liebe auf den ersten Blick! Wie Sie schon gesagt haben, so richtig erinnern kann ich mich nicht. Aber die Geige hat für mich immer schon zu mir gehört. 

 

Ich kann mich nicht an mich ohne Geige erinnern.

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Das klingt, als wäre das nie Arbeit für Sie gewesen.

 

Am Anfang überhaupt nicht, zwischendurch schon mal, das muss man auch zugeben. Ich glaube, je professioneller man das betrachtet, je ernsthafter man das betreibt und angeht, desto mehr ist man sich auch bewusst, was man erreichen möchte und was man dafür tun muss. Dann kommt der Arbeitsaspekt durchaus dazu, aber die Belohnung, die mir die Musik und das Musikmachen zurückgeben, ist immer so viel größer gewesen, sodass es eigentlich wieder mehr als in Balance ist.

 

Eine Jugend im Rampenlicht: Aber gerade so mit Beginn der Pubertät wird man manchmal ein bisschen übfaul. Wie war das denn bei Ihnen?

 

Das Instrument habe ich überhaupt nie in Frage gestelllt. Größere Probleme hatte ich in der Schule – ich war immer eine sehr gute Schülerin. In der Grundschule habe ich mal eine Klasse übersprungen, das heißt ich war immer knapp zwei Jahre jünger als meine Klassenkameraden. Das war gerade die Zeit, die Sie ansprechen, ich 13, sie 15, da war das ziemlich schwierig, weil ich zum Teil sehr viel auf Konzertreise war. Ich habe trotzdem immer gute Noten geschrieben, meine Klasse fand das nicht so logisch. Sie dachten nicht, dass es Arbeit ist, sondern Bevorzugung. Das war dann auch eine Zeit, die ich wirklich nicht so einfach fand – sich selbst zu finden, wenn man stetigen Sonderstatus hat, den ich aber gar nicht wollte.

 

Wo wir gerade von Sonderstatus reden: Ich habe gelesen, sie waren die jüngste Studentin Deutschlands an der HfM Karlsruhe.

 

Ich weiß nicht, ob mir dieser Titel mir wirklich gebührt. Es gab mit Sicherheit auch andere Kinder, die früh angefangen haben zu studieren. Aber ich habe in der Tat meine Aufnahmeprüfung für die HfM mit acht Jahren gespielt – aber ich war dann nicht Vollstudentin, sondern Vorstudentin.

 

Es gibt ja viele junge Leute, die jetzt ihre Aufnahmeprüfung an der HfM machen oder am Beginn ihres Studiums sind. Was würden Sie ihnen mitgeben wollen für ihre Zukunft?

 

Ich glaube, man braucht eine große Portion Hingabe für diesen Beruf. Wenn die Zweifel zu groß sind, dann ist das nicht das Richtige. Eine gewisse Liebe zur Bühne muss schon da sein, auch wenn da mit Sicherheit auch viel Respekt dazugehört. Wenn die Liebe zum Instrument und der Bühne nicht ausreicht, wird das sehr schwierig. Aber wenn man sie hat, muss man sich voller Begeisterung und auch Leidensbereitschaft reinstürzen und alles mitnehmen, was möglich ist. Ich habe viel Glück gehabt mit meinem Lehrer und den Persönlichkeiten, die mich unterstützt haben. Da haben sich dann Möglichkeiten ergeben, von denen ich gar nicht geträumt habe. Wenn sich so etwas bietet, dann sollte man mit vollen Händen reingreifen und ausprobieren! Natürlich immer mit professionellem Anspruch, aber auch nicht immer davon abhängig machen, ob man ein Probespiel gewinnt oder nicht, oder wie es weitergehen soll, sondern erst diese Fülle an Informationen und an Lebenserfahrung genießen.

 

Apropos Liebe zur Bühne, hat man als professioneller Musiker überhaupt noch Lampenfieber?

 

Das Lampenfieber wird dann eher größer, wenn man sich bewusst ist, dass man eigentlich hätte mehr tun können oder früher anfangen müssen. Wenn solche Fragezeichen in den Kopf kommen, hat man ein Problem. Aber ich habe Glück gehabt, für mich ist die Bühne immer eher belebend. Auftreten ist auch viel Gewöhnung. Man lernt, sich Rituale zu verschaffen, bei denen man weiß: so komme ich gut durch diesen Tag, so bin ich gut vorbereitet, ohne viel Kraft zu verlieren, solche Sachen. Das muss sich auch einspielen. Es ist schön zu proben, zuhause zu üben, aber die Bühne ist der Ort, wo mir dann wirklich immer das Herz aufgeht. Es ist wahrscheinlich gar nicht unbedingt die Bühne allein, sondern das Publikum. Ich genieße die Interaktion immer total, und deshalb ist die Bühne für mich unverzichtbar.