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Junger Kulturkanal

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"Einmal um die ganze Welt"

Das Duo Rebecca Rust und Friedrich Edelmann im Livestream

© Friedrich Edelmann

Von Johannes Heuft am veröffentlicht.

Rockoptik meets Klassikakustik

Bad Dürkheim, 31.5. 2020. Tonstudio Stefan Kahne. Verstärker an Verstärker. Fender, Marshall und co., Blues und Classic-Rockgitarristen würde wohl beim Anblick des Interieurs das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch an diesem Abend bleiben die Röhren kalt. Optik und Akustik gehen getrennte Wege, zumindest genretechnisch, denn akustisch füllen wird das Studio diesmal klassische Musik. Zu Gast für die Produktion des vom Kulturbüro Bad Dürkheim initiierten Livestreams ist das Duo und Ehepaar Friedrich Edelmann (Fagott) & Rebecca Rust (Violoncello). Edelmann ist bekannt u.a. als ehemaliger Solofagottist der Müncher Philharmoniker unter Chefdirigent Sergiu Celibidache, die amerikanische Cellistin Rebecca Rust arbeitete u.a. als Solistin mit dem Baseler Symphonieorchester zusammen unter der Leitung von Mstislaw Rostropowitsch.

Fagott und Cello, das ist eine eher seltene Kombination. Ebenso selten wie das Gesamtbild, das durch das auf der Marshallbox postierte Schild „Stammtisch“ in der Mitte des Duos abgerundet wird. Ein wohl einzigartiger atmosphärischer Charme, den es ohne Corona so nicht gäbe.

Stammtisch und Altenheim

Eigentlich wäre das Duo Rust & Edelmann unterwegs auf Konzerttour in den USA und Japan, das entfällt natürlich. Und doch gehen die amerikanischen und japanischen Freunde des Duos nicht leer aus, auch sie schauen den Stream. Der Titel des Konzerts „Einmal um die ganze Welt“ ist somit keine Worthülse. Friedrich Edelmann erzählt, dass ein Altenheim in Kalifornien das Konzert verfolgt, für die der Lockdown natürlich besonders hart ist. Das „Stammtisch“ Schild ist ein kleiner Gruß nach Japan. Es stammt von einem deutschen Fanclub von Japanern in Japan. Der Name des Clubs: Stammtisch.

Das Programm ist entsprechend bunt gemixt: Barock und Klassik mit den bekannten Größen Bach, Mozart und Beethoven, aber auch weniger bekannte wie de Fesch und Couperin. Die Moderne ist u.a.mit Ernest Blochs „Prayer from „Jewish Life““ vertreten. Die Verbindung des Duos zu Japan und den USA zeigen sie mit „2 Japanese Songs“, zwei japanischen Volksliedern, sowie zum Abschluss des ungewöhnlichen Konzerts „2 Ragtimes“ des Komponisten Arthur Frackenpohl. Aufgelockert wird das Programm durch kleine Moderationen und Anekdoten, beispielsweise die Geschichte des Tieftonholzvergnüglings. Selbstverständlich wird auch hier international gedacht, zweisprachig moderiert und ins Englische übersetzt.

Lebensgefühl durch Livemomente

Klanglich bietet der Studioraum eine vielleicht etwas zu trockene Akustik für die Besetzung Fagott/Cello, denkt man zumindest beim Erstkonsum des Livestreams über den Handylautsprecher. Beim Hören mit Kopfhörern oder einer Anlage verfliegt der erste Eindruck, es sei womöglich der falsche Raum für diese Musik jedoch recht schnell. Die gute Aufnahmetechnik macht ein Konzerterlebnis möglich. An der spielerischen Qualität der Musiker besteht sowieso kein Zweifel.Erstaunlich ist die Intention des Duos, diesen Livestream machen zu wollen. 

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Rust und Edelmann wollen ein Lebensgefühl in die Wohnzimmer der gelockdownten Menschen bringen. Und es bleibt nicht bei der bloßen Intention des Duos, man kann es live spüren in der Musik, das Lebensgefühl. So soll Musik schließlich sein, ein Lebensgefühl.