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Ensemblespiel in Coronazeiten

Wie Frank Dupree gemeinsames Musizieren möglich macht

© YouTube BOZAR

Von Laura Schiffler am veröffentlicht.

Mir geht es nicht um Werbung, sondern darum, dass die Musik einfach weiter geht. Dass die Bühne geschlossen ist, heißt nicht, dass die Musik still sein muss.– Frank Dupree

„Ich wusste schon auf der Bühne bei meinen letzten Tönen des Tschaikowski Klavierkonzerts: Okay das werde ich jetzt lange erst einmal so nicht haben", erzählt Pianist Frank Dupree als er an sein letztes Konzert vor Corona denkt. Am 12. März regnet es Absagen von Veranstaltern - doch gleichzeitig bekommt er auch eine Anfrage: Er fliegt spontan nach England, um in Newcastle Tschaikowski zu spielen. Mit Sinfonieorchester. Eine Sache, die momentan immer noch unvorstellbar ist. Die Idee, Livestream-Konzerte zu machen, hatte der Rastatter Pianist früh, doch sein Kollege Igor Levit kam ihm wegen des Einspringerkonzerts zuvor. 

Das gleiche wie Levit wollte Frank Dupree jedoch nicht machen:

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Ensemble-Videos & Ensemble-Livestreams

Also startet Frank Dupree die Reihe #stayhomemusicsessions auf Instagram, YouTube und Facebook. Das Besondere dabei: In diesen Videos lädt er verschiedene Musiker*innen, wie z.B. Kian Soltani und Pablo Barragán, dazu ein, mit ihm Ensemble-Stücke aufzunehmen. 

Danach macht er dann auch Livestreams im Ensemble: Zusammen mit Trompeter Simon Höfele überträgt er bei Facebook und YouTube deren gemeinsames Spiel. Diesmal befinden sich sogar beide im selben Raum. 

„Wir spielen ein vielfältiges Repertoire für Trompete und Piano. Jazzig, romantisch, French belle époque, zeitgenössisch. Nicht zu lang’ und nicht zu crazy". So leitet Simon Höfele den Livestream ein - ganz nach dem Motto: „Stop talking, let’s play!". In Duprees Musikzimmer herrscht eine gemütliche Atmosphäre: Der Flügel steht auf einem großen Teppich, beide Musiker tragen keine Schuhe, nur Socken.

Gershwin, Enescu, Schnyder und mehr

© Marco Borggreve

Obwohl beide auf Englisch kommunizieren und von einer Plexiglasscheibe getrennt sind, sprechen sie locker miteinander und verkneifen sich auch keinen Lacher. Durch und durch sympathisch starten sie in ihr erstes Stück „Three Preludes for Piano" von George Gershwin und bringen ihre erstaunliche Professionalität zum Vorschein. Aus „for piano" machen sie einfach „for trumpet and piano". Dem Zuschauer wird es dabei ganz bestimmt nicht langweilig: nach einem flotten Einstieg mit feierlichem Schlusston geht es in einen langsamen Teil über, der sich nach hinten raus etwas zieht, was jedoch dem vor Zeit überhäuften Corona-Zuschauer sicher nichts ausmacht. Nach dem wieder schnelleren dritten Satz geht es weiter mit Komponisten wie George Enescu, und Daniel Schnyder bis Frank Dupree und Simon Höfele am Ende wieder bei Gershwin landen: Der Klassiker „Rhapsody in Blue" ist der krönende Abschluss. 

Die beiden erfahrenen und doch jungen Musiker bringen dabei in ihrem Spiel eine Leichtigkeit herüber, als hätten sie keine Sorgen. Doch: Keine Live-Konzerte bedeutet eben keine Einnahmen. Dupree hatte das Glück durch das Konzert in England noch einen kleinen Puffer zu haben. Aber sieht man mal über den finanziellen Aspekt hinweg, bleibt da noch viel mehr, was fehlt: 

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Frank Dupree hat sich einen Beruf ausgesucht, der im Moment stark bedroht ist. Dennoch bleibt er Optimist, denn die Musik ist sein größtes Geschenk und hat ihm in dieser Zeit sehr geholfen: „Die Musik hat mich vor einer Depression geschützt, in dem ich einfach weitergemacht habe".