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Hartmut Höll auf Welttournee

Interview mit dem Rektor der Musikhochschule Karlsruhe

© Tom Kohler

Von Tabea Wilkens am veröffentlicht.

Die Nächte sind manchmal schon kurz– Hartmut Höll

Hartmut Höll spricht im Interview über seine Doppelkarriere als Rektor der Musikhochschule Karlsruhe und als Pianist auf Tournee mit Renée Fleming

Tabea Wilkens: Wie schaffen Sie es, Ihre Tätigkeiten als Rektor und Musiker zu vereinen?

Hartmut Höll: Also zunächst einmal ist das nur zu schaffen,  wenn der Betrieb am Laufen bleibt. Und das setzt voraus, dass man ein gutes, gutes Team hat und ich muss sagen: Ich habe ein fantastisches Team! Unsere Hochschule hat einen großartigen Kanzler, wir haben wunderbare Mitarbeiter in der Verwaltung und im Hausdienst, die sich unglaublich einseitig – und zwar weit über ihr Limit.

Musste sich das erst einspielen?

Als ich Rektor wurde habe ich zwei, drei Jahre nicht konzertiert, weil ich das Gefühl hatte, es musste sehr viel für die Hochschule auf den Weg gebracht werden. In der Zwischenzeit bin ich froh, dass es wieder mehr Konzerte sind. Denn im Rektorat muss alle zehn Minuten ein neues Thema bearbeitet werden, sei es in Gesprächen oder in Telefonaten, mit Mitarbeitern …

Stresst Sie eine Welttournee dann nicht zusätzlich?

Wenn man auf Reisen ist mit seinem Programm, dann lebt man in diesem Programm und hat sonst seinen Freiraum. Selbstverständlich beantworte ich sämtliche Emails am Tag. Aber das Konzertieren, Musizieren und Lehren empfinde ich immer als Erholung.
 

Ich habe ein fantastisches Team!– Hartmut Höll

Müssen Sie trotzdem manchmal Abstriche machen, wenn zum Beispiel ein Konzert und ein Meeting gleichzeitig anstehen?

Die Hochschule geht im Zweifelsfall immer vor. Aber da gab es nie Konflikte, vor allem weil ich immer schon mit ausgewählten Partnern konzertierte und nicht einfach jede Anfrage angenommen habe, die reinflatterte.

Wie kam es, dass Sie mehrere langjährige Duo-Partnerschaften haben?

Also Peter Härtling hat einmal gesagt: „Begleiter zu sein, ist ein Ehrentitel“ Ich habe mich nie als Begleiter gefühlt sondern als Kammermusiker – und Lied ist für mich vokale Kammermusik. Die Partnerschaft mit Mitsuko Shirai war ganz selbstverständlich eine Duo-Partnerschaft. Wir haben bereits als Studierende angefangen zu musizieren und damals auch das Wort Lied-Duo erfunden. Ich spreche sehr gerne auch vom Liedpianisten und nicht einfach vom Pianisten, denn der Liedpianist muss den Wortstrom verstehen und diesen auch in seinem Spiel mitgestalten. Und in festen Partnerschaften wächst man gemeinsam. Tabea Zimmermann, Dietrich Fischer-Dieskau, Renée Fleming sind hier zu nennen.

Sie haben trotzdem einen straffen Zeitplan. Wie schaffen Sie es, so produktiv zu sein?

Also ich bin glücklicherweise ziemlich stressresistent. Der Tag beginnt morgens um 6:20 Uhr und ich versuche zum Abendessen mit der Familie zuhause zu sein, weil ich es wichtig finde, eine gemeinsame Zeit zu haben. Abends arbeite ich noch mal bis um ein, zwei Uhr. In den letzten Wochen ein bisschen weniger. Aber die Nächte sind manchmal schon kurz, das ist einfach so.

An der Musikhochschule und als Musiker ist man ständig von Musik umgeben – können Sie dann noch Musik hören oder brauchen Sie eher Ruhe?

Ich höre schon gerne Musik zuhause. Meistens muss ich noch arbeiten und habe keine Zeit. Aber in den Ferien zum Beispiel höre ich sehr viel Musik.

 Was hören Sie dann gerne?

Alles Mögliche, womit ich mich gerade beschäftige oder was neu reingeflattert ist, die ganze ,,Furtwängler Edition``. Renée Fleming hat eine CD herausgebracht mit Broadway Musik, die ich fantastisch finde, ganz verschiedene Sachen. Ich spiele auch gerne, wenn es irgendwie mal ein halbes Stündchen gibt, selbst Klavier oder arbeite an einem Programm. Das ist für mich pure Erholung.

Wenn es einen freien Abend gibt, schaue ich sehr gerne einen blöden Krimi– Hartmut Höll

Wann entspannen Sie?

Und dann kommt ein Wochenende, wo ich mal nichts habe. Oder die Sommerferien, die ich mir grundsätzlich freihalte. Ich habe früher sehr viele Meisterklassen gemacht, Schleswig-Holstein Festival, Weimar, Salzburg und so weiter.

 

Jetzt mache ich in den Sommerwochen keine Meisterklassen mehr und halte konsequent August, Anfang September frei von allem und das ist dann richtig entspannte freie Zeit.

Wo können Sie besonders gut abschalten?

Meistens auf einer finnischen Insel, da gibt es Pilze, Fische, viele Bäume, Wasser, Wind, Sauna und sonst niemanden außen herum und das ist sehr, sehr gut und sehr anders – da tankt man in wenigen Stunden und Tagen viel Kraft.

Wie entspannen Sie zwischendurch im Alltag?

Also wenn es einen freien Abend gibt, schaue ich sehr gerne einen blöden Krimi. Tatort und was es halt so gibt. Ich mag auch diese lokalen, wo man die Städte sieht. Ganz witzig, ist ja meistens dasselbe: Einen Leichnam nach dem anderen und man weiß meistens schon, wer der Täter ist. Ich lese auch gerne. Ich habe gerade „Die Reise der Gene“ gelesen. Paläogenetik: Man hat 8000 Jahre untersucht und daran festgstellt, wie groß die Migration damals war. Wie wir Europäer wirklich durch Migration zusammengekommen sind. Das war für mich wirklich ein ganz interessantes Buch, weil es ja auch in unsere Zeit passt und man auch Argumente für heutige Diskussionen findet. Ich habe letzte Woche auch die Biografie von Michelle Obama gelesen: ,,Becoming´´ . Es gibt Partien in dem Buch, die sehr schön und berührend sind

Fragenhagel: 5 kurze Fragen an Hartmut Höll

Mehr Informationen über Hartmut Höll finden Sie auf der Homepage der Hochschule für Musik Karlsruhe.