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Junger Kulturkanal

LÄUFT

Hope@home

Der Erfolgslivestream auf Arte

Von Ulrich Wiederspahn am veröffentlicht.

When live is so difficult, art and music is a wonderful way for people to connect.– Max Richter, Komponist

Weltklassewohnzimmer

Wegen Corona sind die Bühnenn leer - also baut man sich eine eigene. Mit dem Image von Daniel Hope ist das gar kein Hexenwerk: Ein geräumiges Wohnzimmer in Berlin, ein paar schmucke, warm leuchtende Glühbirnen, prominente Gäste und fertig ist Hope@Home. Der Stream ist so erfolgreich, dass es schon eine Fortsetzung mit dem etwas paradoxen Titel "Hope@home - on Tour!" gibt.

Alle Register gezogen

Daniel Hope lädt in sein Wohnzimmer ein - nicht nur namhafte Musiker*innen aus dem Klassikbereich (beispielsweise Sabine Meyer, Thomas Hampson, Simon Rattle); auch Popmusiker wie Tim Bentzko.

Und als wäre das nicht schon vielseitig genug, werden einige Konzerte von Vorlesern begleitet, die in vier verschiedenen Sprachen kleine Texte oder Gedichte vorlesen. So kommt wirklich jeder auf seine Kosten.

Max Richter

Der letzte Stream

Folge 34 aus der Berliner Wohnung dreht sich um den deutsch-britischen Komponisten Max Richter: Er beginnt mit einer neuen Version von "This bitter Earth". Begleitet von Daniel Hope und Pianist Christoph Israel legt Soulsängerin Joy Denalane ihre ganze Ausdruckskraft in diesen Song und bringt damit alle Traurigkeit über Verluste und Verzichte wieder ins Bewusstsein, die wir durch Corona hinnehmen mussten.

Es folgt eine Premiere in zweifacher Hinsicht: Daniel Hope ist nun live verbunden mit Max Richter in seinem Oxforder Studio. Sie werden eine „Quarantäne-Version“ von Richters „Recomposed“(angelehnt an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“) uraufführen. Gemeinsam mit Christoph Israel und Harfenistin Jane Berthe erleben wir Vivaldis berühmte Violinkonzertreihe mit Einflüssen aus Minimal-Music und elektronischer Neo-Klassik.
Wie das Original führt auch „Recomposed“ durch das Vogelgezwitscher im Frühling über drückende Sommerhitze und Bauerntänze hin zu einem Schneesturm und dem Weihnachtsabend. Richter schafft den schweren Spagat etwas Neues zu schaffen, sodass das Alte noch durchdringen kann: Die Anmutung bleibt dieselbe wie bei Vivaldi, doch spielt „Recomposed“ mit synthetischen Klängen und einfacheren Begleitstimmen ohne dabei kitschig zu werden.

Achterbahnfahrt

Das Stück stellt alle Musiker*innen vor große technische Ansprüche: Besonders für die Solovioline ist es ein ständiger Wechsel zwischen sprinten und wieder anschleichen. Hope meistert seinen Part mit Bravour. Die anderen Instrumente bereiten ihm einen wunderbar ausgewogenen Klangteppich. Christoph Israel und Hope sind ein eingespieltes Team - Israel war schon in einigen Livestreams bei Hope zu Gast und entsprechend gut funktionieren sie zusammen

Ebenso beeindruckend ist es zu sehen, wie reibungslos das Zuschalten von Max Richter funktioniert: Als Fernsehzuschauer muss man sich regelmäßig aktiv daran erinnern, dass hier Musiker aus Berlin und Oxford gleichzeitig miteinander spielen und aufeinander reagieren, obwohl sie hunderte Kilometer voneinander entfernt sind. Die Möglichkeiten solcher Livestreams heben das Konzerterlebnis als solches auf ein ganz neues Niveau und werden sicher auch nach Corona die Kreativität der Musiker auf der Welt beflügeln.

Daniel Hope erzählt in seiner Moderation nicht ohne Stolz, wie Max Richter und er diesen Livestream organisiert haben:

Den besprochenen Livestream könnt ihr hier sehen.