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Impro-Theater: Die Kunst des Augenblicks

Wenn das Skript fehlt, beginnt für Manuel Speck das wahre Spiel

© Leandro Marz

Von Leandro Marz am veröffentlicht.

Beim Impro-Theater treffen Menschen aufeinander, die sich sonst nie begegnet wären und erzählen gemeinsam Geschichten, die es vorher nicht gab. Manuel Speck leitet das Impro-Theater Karlsruhe und hat aus seiner Leidenschaft einen Beruf gemacht. Im Gespräch erklärt er, was diese Kunstform so besonders macht und warum man in jedem Alter damit anfangen kann.

Manuel, was genau ist Impro-Theater?

Der Name ist Programm: Wir gehen auf die Bühne, ohne Text auswendig gelernt zu haben und ohne Rollen einstudiert zu haben, und spielen einfach, was genau in dem Moment entsteht.

Wie bist du persönlich dazu gekommen?

In der Schulzeit habe ich klassisches Stücktheater gemacht, danach Film und Theater studiert. Im Studium habe ich Impro wirklich entdeckt und mich ein bisschen verliebt in die Kunstform. Es gab keinen großen Aha-Moment, es war eher ein schleichender Prozess: Irgendwann musste ich entscheiden, ob das meine Karriere wird und ich habe ja gesagt. Ich glaube, es ist schlimmer, irgendwann alt zu sein und zu denken: Ich hätte es gerne probiert.

Was bietet das Impro-Theater Karlsruhe an und was macht das Ganze so besonders?

Wir bieten vor allem Kurse an für Menschen ohne Ambitionen, professionell Schauspiel zu studieren. Es ist ein Werkzeug, um kreativ zu sein, Spaß zu haben und in einem geschützten Rahmen Menschen kennenzulernen. Man arbeitet an Körpersprache, Stimme und Körperwahrnehmung. Die Nebeneffekte sind unzählbar: Schüchterne wollen aus sich herausgehen, neue Karlsruher suchen Anschluss, Freundschaften entstehen, manchmal sogar mehr. 

Muss man extrovertiert sein, um auf die Bühne zu gehen?

Das Klischee hat schon einen wahren Kern. Die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler wollen auf die Bühne, wollen Applaus – das schmeichelt dem Ego, da bin ich keine Ausnahme. Aber ich kenne viele introvertierte Kolleginnen und Kollegen. Und umso älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass man auch Ruhe braucht und nicht permanent im Außen sein muss. Außerdem habe ich mittlerweile öfter die Erfahrung gemacht – vor allem im Impro-Theater im Vergleich zum klassischen Theater –, dass auch Menschen mit Autismus oder anderen Formen von Neurodivergenz zu uns kommen. Impro-Theater kann ihnen einen Zugang zu anderen eröffnen, der im Alltag manchmal nicht so leicht zu finden ist.

© Leandro Marz

Wie viel ist Spontanität, wie viel erlerntes Handwerk?

Improvisieren ist wie ein Muskel, den man trainieren kann. Als Gitarrist muss ich erst alle Akkorde lernen, bevor ich wirklich frei spielen kann. Genauso ist es auch beim Impro-Theater. Wir üben Geschichtenanfänge und Rollentechniken: Wie spiele ich einen alten Menschen oder jemanden Aggressiven? So entsteht mit der Zeit ein großer Werkzeugkoffer. Am Abend selbst werden dann nur noch die Geschichte und die Dialoge improvisiert. 

Was passiert, wenn auf der Bühne plötzlich nichts mehr kommt?

Das ist noch nie passiert – auch nach 17 Jahren nicht. Man ist auf der Bühne nie allein. Die Chance, dass zwei, drei oder vier Menschen plötzlich keine Idee mehr haben, ist schlicht verschwindend gering. Das Kollektiv gibt einem Sicherheit. 

Gibt es eine Impro-Übung, die man auch im Alltag ausprobieren kann?

Die Einwortgeschichte: Mehrere Menschen erzählen gemeinsam ein Märchen, immer abwechselnd und jeder sagt dabei nur ein einziges Wort. Man muss wirklich zuhören, was die anderen sagen. Das funktioniert zu zweit, zu fünft oder zu zehnt. Dabei entstehen unglaublich verrückte Geschichten.

Wo siehst du Impro-Theater in Deutschland in zehn Jahren?

Es wächst brachial schnell und schießt in allen möglichen Städten aus dem Boden. Das Besondere: Impro diskriminiert nicht – weder nach Alter, Beruf noch Bildung. Ob man 16 oder 96 ist, man kann mitspielen. Man vernetzt sich mit völlig verschiedenen Menschen in einer Gruppe, echte Freundschaften entstehen. Das wird immer mehr werden, auch in Karlsruhe.

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