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Interview mit Frank Dupree

Über das Dirigieren vom Klavier aus, Hochbegabung und Musik in Coronazeiten

© Marco Borggreve

Von Julia Kesch am veröffentlicht.

Interview mit Frank Dupree

Von Bach bis Gershwin: Der Pianist, Dirigent und Schlagzeuger Frank Dupree fühlt sich in vielen Musikrichtungen zu Hause. Julia Kesch vom Jungen Kulturkanal hat mit ihm über seine Musik gesprochen. Dabei ging es um das Dirigieren vom Klavier aus, Hochbegabung und digitale Musik in Coronazeiten.

 

Julia Kesch: Was verbindet dich mit der Musikhochschule Karlsruhe?

Frank Dupree: Eine sehr lange Zeit. Ich könnte sogar einer der Studenten an der Musikhochschule gewesen sein, die am längsten hier studiert haben, denn ich habe mit elf Jahren als Vorstudent im Fach Klavier bei Professorin Sontraud Speidel begonnen und später mit 14 Dirigieren bei Professor Péter Eötvös. Nach dem Abitur habe ich ganz regelkonform studiert, nämlich meinen Bachelor, meinen Master und das Solistenexamen. Im Sommer 2019 habe ich meinen Abschluss als Pianist gemacht.

Auch die Eröffnung des Wolfgang Rihm Forums, bei der ich gespielt habe, und Campus One habe ich miterlebt. Das sind natürlich Ereignisse, die einen sehr prägen. Dazu der ganze Unterricht: Die Bandbreite dessen, was ich gelernt habe, ist riesig. Man kann viel mitnehmen aus seiner Studienzeit in Karlsruhe.

Das Interessante war, dass man miteinander Musik machen kann, ohne dass man im selben Raum ist. – Frank Dupree

Auf Youtube habe ich gesehen, dass du jetzt in Coronazeiten digital mit anderen Musikern zusammenspielst, bei den #stayhomemusicsessions. Wie funktioniert das genau?

Mir fehlte es, miteinander zu musizieren, und da kam mir die Idee, dass man zwei Videos separat mit Musik aufnehmen könnte. Dann könnte ich die beiden Videos in einem Programm zusammenschneiden und schon hätte ich Kammermusik. Natürlich ist es aber nicht so einfach, wie es klingt. Denn ich habe meistens die erste Stimme selbst aufgenommen. Man muss sich ganz genau vorbereiten, man muss wissen, wie die andere Person später gestalten wird und wie das Tempo sein soll. Man muss mit seiner Begleitstimme, die das Klavier oft hat, so führen und die ganze Partitur betrachten, dass man die andere Stimme immer mitdenkt und es der andere leicht hat, mit mir  zusammen zu spielen. Die andere Person hört meine Stimme über Kopfhörer, spielt die eigene Stimme darauf und filmt das selbst. Dann hat die Person mir das Video geschickt.

© Marco Borggreve

Also ein sehr komplexes Zusammenspiel. Hast du dabei neue Erfahrungen gemacht?

Das Interessante war, dass man miteinander Musik machen kann, ohne dass man im selben Raum ist. Aber dabei fehlt auch wahnsinnig viel. Man hat nicht die Raumakustik und nicht dieses Gefühl, dass andere Personen neben einem stehen und dass man gemeinsam atmet.

Aber schön war‘s immer wieder bei allen 24 Videos zu sehen, dass wenn man die beiden Videos zusammenschneidet und es wirklich auf die Millisekunde passt, wunderschöne Musik entsteht.

Neben dem Spielen von Jazzschlagzeug und Klavier dirigierst du auch noch vom Klavier aus. Wie funktioniert das?

Zu dirigieren ist eine ganz eigene Welt, denn man hat das Universum einer Partitur verinnerlicht und übersetzt jetzt sein Verständnis von dieser Musik in Bewegung – und zwar als Kommunikation, die Musiker in einem Orchester verstehen. Vom Klavier aus zu dirigieren ist für mich die schönste Kombination, weil jede Musikform drinsteckt. Da steckt Klavier solo drin, denn man hat seinen Solopart zu spielen. Man dirigiert, beim sogenannten „play – direct“, wie es auch genannt wird, das Orchester in den großen Tuttiteilen zwischendurch. Und der dritte Punkt ist Kammermusik. Denn „play – direct“ bedeutet extrem viel Kammermusik, denn man spielt mit dreißig bis sechzig Musikern gleichzeitig zusammen und musiziert gemeinsam.

Man kann nicht immer mit den Händen das Orchester leiten. Aber man kann viel mit dem Ausdruck im eigenen Gesicht arbeiten. Und was überhaupt nicht zu unterschätzen ist, sind die Führungen des eigenen Spiels. Ich kann so spielen, dass niemand mir folgen kann, aber ich kann auch mit meiner Interpretation jede Note prägnant, klar und deutlich rhythmisch und klanglich spielen, so dass das Orchester mich ohne einen Dirigenten verstehen kann.

Das hört sich auf jeden Fall sehr herausfordernd an.

Oh ja.

Zu dirigieren ist eine ganz eigene Welt, denn man hat das Universum einer Partitur verinnerlicht und übersetzt jetzt sein Verständnis von dieser Musik in Bewegung. – Frank Dupree

Das ist eine gute Überleitung zum nächsten Thema: Siehst du dich selbst als hochbegabt?

Was ist schon hochbegabt? Ein bisschen Talent, Begabung. Das ist die erste Frage. Ich glaube, es muss irgendwas in einer Person sein, die Musik macht. Natürlich ist das Gehör entscheidend, auch der Wille, etwas zu gestalten. Egal, ob es Töne sind oder etwas mit Malstiften, wenn man ein kleines Kind ist. Aber das sind nur die ersten Bausteine, um später Musik zu machen. Es ist toll, wenn man diese Bausteine hat, aber man muss sie auch zusammensetzen, ordnen und immer mehr Bausteine dazunehmen. Und dann ist das Entscheidende das richtige Üben, die Arbeit, viele musikalische Eindrücke zu sammeln und über den Tellerrand zu schauen.

Hast du Pläne für die Zukunft? Bestimmte Musiker oder Orchester, mit denen du zusammenarbeiten möchtest?

Es gibt eine riesige Liste an Stücken, die ich irgendwann spielen möchte. Ein Stück, das ich unbedingt einmal dirigieren möchte, ist Le sacre du printemps von Strawinsky. Genauso wie Harmonielehre von John Adams, ein tolles Orchesterwerk.

Und dann gibt es viele Komponisten, mit den ich gerne noch arbeiten würde. Mit einigen habe ich schon zusammengearbeitet, wie Wolfgang Rihm, Péter Eötvös, HK Gruber. Mit Kian Soltani habe ich schon zusammen Musik gemacht und wir werden es auch wieder tun. Es gibt so viele Künstler und kreative Persönlichkeiten, mit denen ich mich austauschen will, vielleicht nicht nur hinter der Bühne, sondern auch musikalisch auf der Bühne.