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Frühstücksmusik

James Bond trifft Klassik

Klassische Musik in den 007-Filmen

Von Tabita Prochnau am veröffentlicht.

Jeder kennt ihn: den Superagenten mit der Doppelnull. Sechs Schauspieler haben James Bond in den letzten 60 Jahren verkörpert. Denn der Superagent war in insgesamt 25 Filmen auf der Leinwand zu sehen. Schnittige Herren in schwarzen Anzügen, gutaussehende Frauen, schnelle Sportwagen und Action pur. Das machen die Bond-Filme aus. Was man hier definitiv nicht erwarten würde, ist Klassische Musik. Doch gerade die kommt in einigen Szenen vor. Wie das klingt, wenn Mozart, Verdi und Bach auf James Bond treffen, hört ihr hier.

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

"Libiamo ne' lieti calici" aus La Travitia (1853)

Daniel Craig, Guiseppe Verdi und ein gemütlicher Italiener

Zu gemütlich für den blonden Bond (Daniel Craig), denn der befindet sich gerade auf der Flucht in seinem rasend schnellen Sportwagen. Der Italiener im babyblauen Fiat vor ihm hat dagegen alle Zeit der Welt. Gemütlich hört er das Trinklied „Libiamo ne' lieti calici“ aus Verdis Oper „La Traviata“ auf voller Lautstärke. Und so begegnet James Bond in Spectre (2012) dem italienischen Komponisten Gusieppe Verd. Wenn auch etwas unfreiwillig. Denn der Opernfreak vor ihm ist im Weg. Auch energisches Hupen bringt den Italiener nicht dazu, sein Tempo zu erhöhen. Und so bleibt Bond nur noch eins: Den Fiat kurzer Hand mit seinem Sportwagen wegzuschieben. Während sich Tenor, Sopran und Chor zum großen Finale erheben, kann der Italiener noch gar nicht glauben, was gerade geschieht. "Che pazzo", "Wie verrückt", ist alles, was man von ihm zu hören kriegt. Am Ende der Seitenstraße biegt Bond rasant nach links ab und der Fiat droht gegen das Gebäude vor ihm zu donnern. Doch die Bremsen scheinen zu funktionieren: der Opernliebhaber dockt nur an den Pfosten vor ihm an. DasTrinklied Verdis geht zu Ende. Und dann explodiert der Airbag.

"Air" aus Orchestersuite Nr. 3 (1732)

Roger Moore, Johann Sebastian Bach und ein Hai

Etwas süßer geht es in einer Szene aus Der Spion, der mich liebte (1977) zu. Damals spielte noch Roger Moore den Superagenten. Doch bevor Bach seinen großen Auftritt hat, gibt es erst mal eine Verfolgungsjagd. Dieses Mal auf Skiern in den verschneiten Bergen Österreichs. Dabei erklingt der Song Bond 77 von Marvin Hamlisch. Ein Mix aus dem bekannten James Bond-Thema und einem treibenden Disco-Sound à la You should be Dancing von den Bee Gees. Hier mal der direkte Vergleich:

Auch der Assistentin des Bösewichts ergeht es nicht besser als Bond. Ihr Chef weist sie an, den royal-kitschigen Speisesaal zu verlassen und in den Fahrstuhl zu steigen. Währenddessen drückt der Bösewicht einen verdächtig roten Knopf. Und hinter dem Venus-Gemälde von Boticelli kommt ein Haifischbecken zum Vorschein. Gleichzeitig ertönt Bachs „Air“ aus seiner Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur. Sanft und langsam wiegen sich die Geigen im Vierviertel-Takt. Doch die Realität sieht anders aus: Plötzlich klappt der Boden des Aufzugs auf und die Frau fällt direkt ins Haifischbecken. Jeder weiß, dass das für die Arme nicht gut ausgehen kann. Paradox ist nur, dass die barocken Streicher einem etwas anderes sagen wollen. Ganz nach dem Kontrastprinzip verdeutlicht die sanfte und ruhige klassische Musik hier die Brutalität der Szene.

Herbst und Frühling aus „Die Vier Jahreszeiten“ (1725)

Roger Moore, Antonio Vivaldi und die Super-Spezial-Sonnenbrille

Schon wieder Roger Moore und ein barocker Komponist. Aber dieses Mal ist es Vivaldi, der dem Superagenten begegnet. Sanft und ruhig klingt die Mucke auf einer Party, bei der James Bond ein wenig herumschnüffelt. 007 versucht Im Angesicht des Todes (1985), dem Bösewicht auf den Fersen zu sein. Währenddessen soll Vivaldis Herbst die feine und noble Gesellschaft bei Laune halten. Die Gastgeber gehen dafür sogar so weit, dass nach dem Herbst direkt der Frühling erklingt. Der Wechsel findet statt, als Bond mit Sonnenbrille durch das Fenster ins innere der Location blickt. Die Sonnenbrille ist dabei aber nicht zur Tarnung, sondern ermöglicht dem Superagenten einen glasklaren Blick in das Büro des Bösewichts. Doch dann wird er in ein kurzes Gespräch mit einem der Angestellten verwickelt ist. Der Herr im Anzug scheint Bond ein wenig durchschaut zu haben. Doch Vivaldis Frühling tut das keinen Abbruch. Laut und deutlich untermalt La Primavera die Gespräche der Gäste auf der Terasse. Und dann auf einmal nur noch dumpf und leise: denn Bond hat es nun tatsächlich vermeintlich unbeobachtet in das Büro des Bösewichts geschafft.

Finale aus „Le nozze di Figaro“ (1787)

Timothy Dalton, Wolfang Amadeus Mozart und die Supercellistin

Musik wird in Filmen eigentlich zur Untermalung einer Szene verwendet. So auch auf ganz unterschiedliche Weise in den James-Bond-Filmen. Was aber, wenn die Szene in einem Opernsaal spielt? Dann hört und sieht man natürlich das jeweils dargebotene Singspiel. In Der Hauch des Todes (1987) ist das Die Hochzeit des Figaros von Mozart. Natürlich hört man hier nicht die ganze Oper, sondern nur das Finale des 4. Aktes, das Ende der Hochzeit. Bleibt nur noch die Frage, was Bond überhaupt in einer Wiener Oper treibt? Selbstverständlich besucht er die Aufführung in weiblicher Begleitung. Neben ihm sitzt das seine Kollegin Kara Milovy, und die führt ein Doppelleben: zum einen ist sie natürlich Superagentin, zum anderen eine proffesionelle Cellistin. Kein Wunder also, dass sie beim Schluss-Applaus als erste begeistert vom Stuhl aufspringt. Freudestrahlend steht und applaudiert sie von der Loge aus, während alle anderen noch sitzen. Doch dann gesellt sich James Bond zu ihr – ganz der Gentleman.

James Bonds Begegnungen mit klassischen Komponisten sind vielseitig. Aber eins ist sicher: wo Bond ist, spielt die Musik.

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