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Junger Kulturkanal

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Jazz, Pop und Klassik

TRIAZ und die Trias der Genres

© Veronika Metzger

Von Veronika Metzger am veröffentlicht.

“Advanced Pop”, also avancierter Pop soll das Genre der Band TRIAZ sein, erklärt mir Sängerin und Violinistin Florine Puluj vor ihrem Konzert beim Freiburger Theater. “Eine Mischung aus Jazz, Pop und Klassik”. Mir kommt es hochmütig vor, sich selbst und sein Genre als avanciert zu beschreiben - doch zu diesem Zeitpunkt habe ich TRIAZ auch noch nicht gehört.

Noch spielen die Red Hot Chili Peppers aus den Boxen und der Himmel ist verdächtig grau, als ich beim Freiburger Theater ankomme. Auf der Bühne bereitet sich schon die Band vor, und auch von weitem ist evident, dass die fünf Mitglieder von TRIAZ auch fernab der Bühne Freunde sind. Ich setze mich ein Stück entfernt und lausche dem Soundcheck. Schon hier ist offensichtlich, was beim Konzert selber einfach nicht mehr zu Debatte steht: TRIAZ beherrscht die Instrumente.

Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass, Geige und Gesang - und wirklich alles auf professionellem Level.
Kurz vor Konzertbeginn bildet sich ein kleiner Kreis neben der Bühne. “Wir sammeln alle ein, und schauen, dass wir niemanden mehr suchen müssen. Dann stellen wir uns zusammen,  konzentrieren uns noch einmal miteinander und freuen uns auf das Konzert”. Diese Konzentration, gemischt mit einer Leichtigkeit, die so nur unter guten Freunden entstehen kann, ist schon ab den ersten Takten hörbar. Komplexe Arrangements mit Jazzharmonik, dazu Gitarrist und Pianist die über die gehaltvollen Klänge hinweg miteinander witzeln.

TRIAZ macht taktile Musik. Es sind Arrangements wie ein Perserteppich, mächtig, schwer, mit vollen Akkorden - und über allem schwebt Florine Pulujs sanfte, fast ätherische Jazz-Stimme.
Musik zum Anfassen und gleichzeitig schwierig zu erfassen: wer hier das I - vi - IV - V Schema sucht, ist bei TRIAZ falsch. Man weiß nie so genau, wo einen die Harmonik hinführen wird. Die Stücke bauen sich langsam auf und landen immer woanders, als man sich zu Beginn vorgestellt hat. Trotz spontaner Takt- und Tonartenwechsel schafft es die Melodie aber, die Eingängigkeit von Pop zu behalten. Das gibt dem Advanced Pop ein StückMassentauglichkeit zurück und macht TRIAZ zu einer Band, die man nicht nur als “Kenner” genießen kann.

Bis auf den Kontrabass bekommen alle Stimmen innerhalb dieses Sets ein Solo. Sie sind musikalisch nicht angekündigt, vielmehr treten die anderen Stimmen diskret zurück. Man bemerkt es beim Hören gar nicht, bis man plötzlich statt der vollen Harmonik eine erstaunliche Virtuosität wahrnimmt - TRIAZ beherrscht schließlich die Instrumente.

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

© Veronika Metzger

Interview mit Sängerin und Violinistin Florine Puluj

An diesem Sonntag Mittag kommt für uns statt dem angekündigten Regen doch noch die Sonne heraus. Zu Beginn des Konzerts steht nur wenig Publikum im abgegrenzten Bereich der Summer Stage vor dem Freiburger Theater, wo den ganzen Sommer kostenlose Open-Air-Konzerte stattfinden. Doch es ist schwierig, bei diesem Konzert nicht wenigstens einen Moment stehenzubleiben, um die Musik zu genießen. Als ich mich am Ende umdrehe, stehen unerwartet viele hinter mir, die in den Klängen von TRIAZ hängengeblieben sind. Was auch verständlich ist: TRIAZ macht keine Tanzmusik, harmonisch vielleicht auch sperrig, aber ohne Zweifel fesselt einen diese Musik. Ein Sound, der einem vermittelt, bei etwas ganz besonderem dabei zu sein, wenn man ihm Gehör schenkt. Advanced Pop: Der Charme von altem Jazz, die Eingängigkeit von Pop und die musikalische Struktur der Klassik. Nach dem Konzert fühle ich mich beschämt, die Aussage angezweifelt zu haben. Tatsächlich wäre es sonst schwierig, TRIAZ in irgendein anderes Genre einzuordnen oder auf Jazz, Pop oder Klassik alleine zu beschränken.

Ob es an der Band, der Musik, dem ersten Konzert seit Beginn der Pandemie oder an allem zusammen lag: TRIAZ live zu sehen war wirklich ein Erlebnis. Dieser Art von Musik tut es gut, nicht über billige Kopfhörer gehört zu werden. Die Exzellenz, mit der TRIAZ rein musikalisch beeindrucken kann, kommt auch besser zur Geltung, wenn man sie selbst miterleben darf. Doch die freundschaftliche Dynamik der Band hat mich an der Live-Performance am meisten überzeugt. Die komplexen Arrangements, das Avancierte am Advanced Pop, hat einen gewissen Hang zum melancholisch-pathetischen. Unbenommen kann das auch manchmal gut sein, doch TRIAZ gewinnt durch die Lockerheit ihrer Performance in Verbindung mit der Ernsthaftigkeit ihrer Musik. Fünf Freunde, die eine Leidenschaft für Musik teilen, und es genießen, zusammen zu spielen. Mich jedenfalls haben die fünf als Fan eingenommen - und überzeugt, dass es in diesem Fall durchaus legitim ist, sich selber als avanciert zu bezeichnen.

© Veronika Metzger

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

© Veronika Metzger