Kleine Komponisten, große Wirkung
Orchestra Carolina im Stephanienbad Karlsruhe
© Emma Dübner
Unbekannte, vergessene Komponisten aufführen - das ist das Anliegen vom Orchestra Carolina. Vergangenen Freitag hat das Ensemble im Karlsruher Stephanienbad einen klassisch-romantischen Abend veranstaltet.
Orchestra Carolina - klingt amerikanisch, ist aber waschecht Karlsruherisch. Seit Gründung 2008 finden sich unter dem Namen jährlich zwanzig Profimusiker aus Konservatorien, Theatern und Musikschulen der Region Karlsruhe für bunte Kammermusikabende zusammen.
Beim diesjährigen Projekt standen drei Konzerte auf dem Programm: Karlsruhe, Heidelberg und Stuttgart - der Eintritt ist frei. “Es soll ein Konzert sein, wo man einfach reingehen kann. Jeder soll kommen können”, meint Helmut Endlich, Vereinsvorsitzender und Cellist des Orchester. “So kann man auch Musik hören, die man nicht jeden Tag hört", ergänzt Felix Treiber, der seit 2018 musikalischer Leiter vom Orchestra Carolina ist.
“Musik, die man nicht jeden Tag hört”, ist hier Programm. Neben zwei Konzerten von Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Holst werden die Komponisten Robert Fuchs und Joseph Kraus gespielt - beide unbekannt genug, um von institutionellen Profiorchestern selten bis gar nicht aufgeführt zu werden. Das ist genau die Nische, die das Kammerorchester für sich erkannt und professionalisiert hat.
Musik, die man nicht jeden Tag hört
Eröffnet wird das Konzert von der Ouvertüre aus der Oper Proserpina - ein Werk von Kraus, mit dem der sogenannte “Badische Mozart” damals am schwedischen Königshof von Göteborg als Komponist auf die Probe gestellt wurde. Die Musik vereinnahmt den Raum sofort für sich. Es ist ein sehr weicher und erfrischend frühlingshafter Klangteppich, der von der hellhörigen Akustik des Saales noch verstärkt wird.
Es folgt das Fugal Concerto von Holst mit Querflötist Andreas Knapper und Oboistin Izumi Gehrecke, die sich in einen angeregten musikalischen Dialog miteinander begeben. Den Höhepunkt des Konzertes bildet die Sinfonia Concertante von Mozart, welche von Jeanette Pitkevica an der Violine und Andra Darzins an der Viola - beide aus Lettland - solistisch abgerundet wird. Für den stürmischen Applaus bedanken sich die Lettinnen mit einem Überraschungswerk: Die Passacaglia von Johan Halvorsen - ein technischer Schlagabtausch, in welchem sich Pitkevica und Darzins in extremer Synchronität und viel musikalischem Humor in schwindelerregende Höhe schwingen. Beschlossen wird der Abend von Fuchs’ fünfteiliger Serenade No. 4, welche durch fragile Satzstrukturen und beinahe zwielichtige Anmutung überzeugt.
Nach einer reichlichen anderthalben Stunde Programm und einer Zugabe, erhalten Orchester und Solisten wohlverdiente Blumensträuße und viel Bravo. Ob unbekannter oder bekannter Komponist bleibt dabei letztendlich nebensächlich: “Alle Stücke haben etwas ganz eigenes, mir haben alle Stücke unheimlich gefallen. Also immer wieder Gänsehaut.” schwärmt Konzertbesucherin Simone aus Karlsruhe.