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"La Dolce Vita" im Scenario Karlsruhe

Triosence auf Tour mit ihrem neuen Album "Giulia"

© Penelope Gatidis

Von Penelope Gatidis am veröffentlicht.

Odd Times heißt der erste Titel auf dem neuen Album des Jazztrios Triosence. Merkwürdige Zeiten, in denen plötzlich eine Welt, wie wir sie kennen, zusammenbricht. Man sich von Lockdown zu Lockdown hangelt und kaum mehr Erinnerungen an das letzte Konzert hat. Aber auch eine Zeit, in der man in sich gehen, für einen Moment aus der Welt zurückziehen kann, um neue Ideen zu schöpfen, Projekte zu planen und Songs zu schreiben. Das Produkt ist Giulia. Ein Album, das vor Lebensfreude und Energie nur so strahlt. Seit Februar sind Bernhard Schüler am Klavier, Tobias Schulte am Schlagzeug und Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass mit ihrem neuen Album auf Konzertreise.

In wenigen Minuten ist Konzertbeginn. Die Konzertbesucher plaudern ausgelassen im Innenhof des Karlsruher Kulturzentrums Tempel – ein erfrischender Drink in der einen Hand, die Konzertkarten in der anderen. Wer bei den sommerlichen Temperaturen auf rieselnden Cool Jazz hofft, wird heute enttäuscht. Die drei Musiker halten ein abwechslungsreiches Programm bereit, das facettenreicher kaum sein könnte: Von Rock-Pop über Swing bis Worldmusic ist alles dabei und schnell wird das Publikum merken, dass jeder Versuch, stillzusitzen, vergebens ist.

© Triosence | Pressefoto

So malerisch wie die Musik ist auch das Cover von "Giulia" - dem neusten Album des Jazztrios Triosence

Eröffnet wird der Abend mit dem Stück Ambiguity. Ein Blick auf das malerische Albumcover und die ersten paar Takte Musik reichen, um schlagartig in die Idylle Italiens versetzt zu werden. Von erster Sekunde an packen Triosence einen mit ihrem präzisen Spiel und den melodisch-träumerischen Linien. Ganz nach dem Motto La Dolce Vita wurde das Album Juni 2021 in einem kleinen Heimstudio der italienischen Region Friuli Venezia Giulia aufgenommen. Die Ausgelassenheit und Lebensfreude des Südens bringen die drei Musiker mit auf die Bühne und lassen das Publikum daran teilhaben.

In ihrer heutigen Besetzung spielt die Band seit etwa 5 Jahren – gegründet hat Bernhard Schüler das Trio aber schon 1999 nach Vorbild des Jazzpianisten Bill Evans. Er war es, der erstmals eine Triobesetzung prägte, in der alle Instrumente gleichgestellt sind. „Es war mehr ein Kollektiv und nicht Bandleader mit zwei Begleitmusikern. Das hat mich total fasziniert und genau so eine Band wollte ich auch gründen. Das war für mich damals die Essenz des Triospiels. Diese Gleichberechtigung“. Die Essenz des Triospiels – kurz: Triosence.

Heute steht für Schüler ein anderer Schwerpunkt im Vordergrund: Es ist der Fokus auf Melodien und Songs, der die Band besonders macht. „Im Jazz geht’s ja primär um Improvisation, auch teilweise wilde Improvisation oder ekstatische Momente. Krasse Spontanität. Ein Beispiel dafür ist der Free Jazz, wo es keine richtigen Songs gibt, sondern alle nur aufeinander hören und dann aus dem Moment heraus irgendwas kreieren. Das ist so das krasse Gegenteil von dem, was wir eigentlich machen. Die Songs sind sehr arrangiert, teilweise wie Popsongs“. Wer tritt wann in den Vordergrund? Wann wird es leise, wann lauter? All solche Details hat sich die Band vorher genau überlegt. Das Ergebnis ist ein perfekt aufeinander abgestimmter Klangkörper. Mal sind alle Instrumente eng ineinander verwoben, mal sticht ein einzelnes solistisch heraus. Songjazz nennt Schüler diese Richtung. Die Musik wird nahbar – auch für Menschen, die sich sonst nicht intensiv mit Jazz beschäftigen.

Bei uns im Tal tanzte nicht der Bär, es rockten die Eichhörnchen.– Bernhard Schüler, Gründer von Triosence

Überall wird mitgenickt, geschaukelt und gewippt, wenn die Band ihre eingängigen Melodien, exotischen Rhythmen und virtuosen Soli zum Besten gibt. Besonders eindrucksvoll sind Stücke wie Three Fo(u)r Fun. Perkussionist und Drummer Tobias Schulte glänzt hier inmitten seines Königreichs von Schlagwerken. Als Sitzgelegenheit die Cajón, um ihn herum ein Sammelsurium an Rasseln, Schellen und Trommeln aller Art. Mal lauscht man lebensfrohen afrikanischen Melodien, mal temperamentvollen Latinoklängen wie in Armando’s Farewell, einer Hommage an den verstorbenen Jazzpianisten Chick Corea. Mit Squirrel's Rock zeigt sich die Band von ihrer rockigen Seite. Wie die meisten anderen Stücke des Albums Giulia hat Schüler es 2020 zu Lockdownzeiten komponiert. Die Geschichte dahinter erzählt er selbst:

© Triosence | Pressefoto

Triosence: Omar Rodriguez Calvo (Kontrabass), Bernhard Schüler (Klavier) und Tobias Schulte (Schlagzeug)

„Bei uns im Tal tanzte nicht der Bär, es rockten die Eichhörnchen“, kündigt Schüler die Rocknummer im Konzert an. Mit seinen Anekdoten und Späßen lässt er die Musik lebendig werden. Es dauert nicht lange, bis Triosence das Publikum für sich gewonnen hat. Die Freude am gemeinsamen Musizieren ist den Musikern mit jedem Stück mehr ins Gesicht geschrieben. Den Höhepunkt des Abends bildet die letzte Nummer. Für einen kurzen Moment verwandelt Bernhard Schüler den Flügel in eine Gitarre, indem er einzelne Saiten zupft. Tobias Schulte setzt sich im Eifer des Gefechts das Schellennetz auf den Kopf und während Omar Rodriguez Calvo alles aus seinem Kontrabass herausholt, tanzt eine Konzertbesucherin ausgelassen in der letzten Reihe.

Mit der Zugabe darf auch das Publikum seinen musikalischen Beitrag leisten. Angeleitet von der Band wird der Konzertsaal vom Singen und Summen der Menge erfüllt. Man spürt förmlich das Schwingen in der Luft, bis schließlich der letzte Ton verklungen ist. Aus der Essenz des Trios entsteht die Essenz des Ganzen.

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