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Lockdown-Folklore und Sommer-Nostalgie

Taylor Swifts Album des Jahres 2020 überzeugt noch immer

© Unsplash | CC

Von Tabita Prochnau am veröffentlicht.

Ihr Blick ist verträumt nach oben gewannt: Taylor Swift steht allein im Wald, mit offenen Haaren, bodenlangem Kleid und einem übergroßen Karo-Mantel, in dessen Taschen sie ihre Hände gesteckt hat. Ganz in schwarz-weiß. Dieses Foto, das aus längst vergangenen Zeiten stammen könnte, ziert das Cover von Swifts achtem Studioalbum folklore. Ihr Künstlername und der Albumtitel sind darauf allerdings nicht zu sehen. Äußerst minimalistisch.

passed down like folk songs, our love lasts so long– Taylor Swift in dem Lied "seven"

Passend zum Albumtitel entfernt sich Swift hier von ihren sonstigen up-beat Popalben, wie etwa das vorherige Album Lover (2019). Auf folklore fehlen die für Swift sonst so typischen sehr eingängigen Popnummern. Stattdessen bewegt sich die Sängerin hier zum ersten Mal hin zu Indie-Pop und Folk, dezent untermalt mit abgemischten Synthie- und Drum-Sounds. Dabei entstehen atmosphärische Klänge, die nicht nur träumerisch sind, sondern beim Hören auch entspannend wirken.

Klingt nicht sonderlich hitverdächtig? Dennoch schaffen es drei der 16 Songs des Albums in die Top 10 Charts mehrerer Länder. Darunter der Song exile mit der Folkband Bon Iver, die Ballade the 1 und die Singleauskopplung cardigan. Zu jedem der 16 Songs gibt es ein Lyric-Video, zu cardigan sogar ein Musikvideo - das einzige des Albums.

Die Bedeutung des Musikvideos: Ein Klavier, Musik - das ist das Einzige, worin Taylor Swift immer Halt findet

Aber woher kommt der große Erfolg dieser zurückgenommen und minimalistischen Musik? Dazu ist der Hintergrund zum Album wichtig. Die damals 30-Jährige hat folklore vor rund zwei Jahren, am 24. Juli 2020, bei Republic Records und Taylor Swift Productions veröffentlicht, nur wenige Monate nachdem die Corona-Pandemie ausgebrochen war und sich die Welt im Lockdown befunden hat.

Auch Swift war in Selbstisolation. Inspiriert durch die Einsamkeit, die sie in dieser Zeit erlebt hat, schreibt sie 16 Songs und nimmt ihr Album auf: in einem Heimstudio, improvisiert im Schlafzimmer ihres Anwesens in Los Angeles. Kein Wunder also, dass Swift sich auf folklore in fremde Welten träumt, die Vergangenheit romantisiert und nostalgisch auf die Welt blickt.

you know the greatest films of all times were never made– Taylor Swift in dem Song "the 1"

Dabei beweist sie auch ihr Talent als Songschreiberin. Sie spielt mit poetischen Lyrics, bewegt mit melancholischen Geschichten und führt mit träumerischen atmosphärischen Klängen zu einem entspannten Hörgenuss. Das, was man in einer Pandemie erwartet? Wohl kaum. Aber braucht. Und das, was auch heute noch zum Nostalgie-Sommer passt.

Rund fünf Monate nach folklore veröffentlichte Taylor Swift übrigens ein weiteres, ganz ähnliches Album: evermore. Für Swift wurde der Lockdown zum Katalysator für nostalgische Lyrics und melancholische Musik. Ein erfolgreicher Soundtrack für entspannte und verträumte Sommermonate.

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