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Musik hält jung

Elke Barnstedt: „Das Seniorenorchester ist für mich ein Geschenk.“

© Rebecca Reichert

Von Rebecca Reichert am veröffentlicht.

Seit sieben Jahren gehört Elke Barnstedt zum Seniorenorchester Karlsruhe. Für die Querflötistin ist das Ensemble weit mehr als ein Ort zum gemeinsamen Musizieren. Es schenkt ihr Gemeinschaft, neue Impulse und die Freude, auch im Alter dazuzulernen. Im Gespräch erzählt sie, warum Musik den Geist wach hält und weshalb das Miteinander im Orchester für sie so wertvoll ist.  

Seit wann spielen Sie Querflöte? 

Ich habe zusammen mit unseren Kindern angefangen, Querflöte zu spielen. Ich wollte ihnen zeigen, dass auch ich noch ein Instrument lernen und dafür üben muss. Da war ich Mitte dreißig. Während meiner gesamten Berufstätigkeit habe ich alle vierzehn Tage Unterricht bei einem hervorragenden Flötisten genommen. Der musste allerdings aushalten, dass ich in der Regel wenig geübt habe. Trotzdem wollte ich immer weitermachen – und das war gut so! Jetzt im Ruhestand übe ich viel mehr und merke, dass ich trotz dieser langen Durststrecke Fortschritte mache und Stücke relativ schnell gut mitspielen kann. Dieses Lernen-Können im Alter ist etwas ganz Faszinierendes. 

Wie haben Sie das Seniorenorchester gefunden? 

Ich glaube, es war eine Freundin, mit der ich damals schon in einem Orchester gespielt habe: sie Klarinette, ich Querflöte. Irgendwann sagte sie, sie wolle Bratsche lernen und ins Seniorenorchester wechseln. Da habe ich einfach gesagt: „Okay, dann gehen wir doch zusammen hin.“ 

© Rebecca Reichert

Das Orchester heißt Seniorenorchester. Darf man erst ab der Rente mitspielen?

Früher lag der Fokus auf Senioren, inzwischen sind wir für alle Altersgruppen offen. Wir würden uns sogar über Schüler freuen. Manchmal spielt einer bei den Kontrabässen als Aushilfe mit. Das finden wir toll. 

Warum spielen Sie lieber im Orchester als allein zu Hause? 

Allein musizieren? Klar, das mache ich auch. Man muss ja üben. Aber dabei merkt man manchmal gar nicht, dass man zum Beispiel langsamer wird. Im Orchester lernt man Disziplin. Man muss den Takt halten, aufeinander hören und miteinander spielen. Außerdem klingt ein ganzes Orchester einfach schöner. Es füllt den Raum anders als eine einzelne Flöte, so gut sie auch sein mag. Und diese Freude kann man weitergeben. Wir spielen viele Benefizkonzerte. Es ist etwas Wunderbares, gemeinsam Musik zu machen, anderen eine Freude zu bereiten und den Applaus des Publikums zu erleben. Das alles kann man allein im stillen Kämmerlein nicht erreichen.

Ist die Gemeinschaft im Orchester wichtig?

Als junger Mensch lernt man in der Schule oder an anderen Orten leicht neue Freunde kennen. Im Ruhestand gibt es dafür nicht mehr so viele Gelegenheiten. Im Orchester ist das wunderschön. Man lernt neue Menschen kennen und trifft sich auch außerhalb der Proben. Nach Konzerten gehen wir zum Beispiel gemeinsam essen und denken an die Geburtstage unserer Mitglieder. Auch in den Pausen bleibt viel Zeit für Gespräche. Das ist eine ungeheure Bereicherung, nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich. 

Im Alter Musik zu machen ist jedem zu empfehlen. – Elke Barnstedt

Man sagt, Musik hält jung. Würden Sie das unterschreiben?

Ich glaube, Musik hält den Geist wach. Man muss sich konzentrieren und sehr fokussiert sein. Das betrifft auch das Zusammenspiel von Atem und Ton beim Flötenspiel. Ich glaube, das ist auch etwas Demenzprophylaxe. Im Alter Musik zu machen ist jedem zu empfehlen.

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Gibt es Unterschiede zwischen einem Senioren- und einem Jugendorchester?

Ich glaube, kaum einen. Wenn man beide Orchester nur hören und nicht sehen würde, könnte man wahrscheinlich nicht sagen, welches das Seniorenorchester ist. Vielleicht merkt man es manchmal bei den Proben, weil manche von uns nicht mehr ganz so gut hören. Ansonsten sind wir gar nicht so anders. Auch wir schwätzen manchmal während der Probe, obwohl wir eigentlich zuhören sollten. Da sind wir den Jugendlichen vermutlich ziemlich ähnlich. Vielleicht ist es ein Zeichen, wie jung uns die Orchesterarbeit hält.

Was könnten Jüngere von Ihnen lernen, und umgekehrt?

In einem Orchester lernt jeder von jedem. Das ist das Schöne. Die einen spielen besser, die anderen weniger gut. Dann frage ich zum Beispiel einen guten Flötisten: „Wie würdest du diese Stelle spielen?“ Aber man lernt auch von denen, die nicht perfekt spielen. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen.

 

Am 12.07.26 findet in der Karlsburg in Durlach ein großes Jubiläumskonzert statt. Weitere Informationen zu Konzerten und zum Mitspielen gibt es unter: www.seniorenorchester-karlsruhe.de

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