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Musikalische ESC-Zugfahrt durch Europa

ESCape mit Bennet und Tabita - Vol. 2

Von Bennet Leitritz und Tabita Prochnau am veröffentlicht.

Am 4. März war es endlich soweit: die sechs ausgewählten Acts traten beim deutschen Vorentscheid "Germany 12 points" in Berlin an. Und Malik Harris geht mit seinem Song "Rockstars" als Sieger hervor. Bis er am 14. Mai im Finale des Eurovision Song Contests in Turin steht, müssen wir uns aber noch ein klein wenig gedulden. Bis dahin gibt es immer Dienstags, 18 Uhr eine Sendung zum ESC. In jeder Folge nehmen euch Bennet und Tabita mit auf eine Reise: Ein ESCape vom tristen Alltag rein in die bunte Welt des ESCs.

Und hier kommt sie: Vol. 2 der ESCape-Reihe

Dieses Mal inklusive vier weiteren Länder-Beiträgen: Eine musikalische Zugreise von Chișinău bis Rotterdam.

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Der deutsche Vorentscheid: "Germany 12 points"

4,3 Millionen haben am 4. März den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest verfolgt. Die Live-Fernsehshow "Germany 12 Points" startet mit einem unterhaltsamen Auftritt von Barbara Schöneberger und Bülent Ceylan. Die Moderatorin liefert gemeinsam mit dem Comediam eine ESC-Medly vom funky Disco-Sound bis zum rockigen Måneskin-Cover - natürlich auf deutsch ("Wir sind bereit!!!"). Das Ziel war eindeutig: erstmal in der Liveshow aus Berlin ordentlich für Stimmung sorgen. Ob das gelungen ist? Wir finden schon, auch wenn ESC-Kritiker, sich so schon von der ersten Sekunde an fremdgeschämt haben. 

Platz 1: Malik Harris mit "Rockstars" (208 Punkte)

Der 24-Jährige Sänger und Rapper konnte mit seinem Wechsel aus Sprechparts und Gesang überzeugen. Und das obwohl der Beginn etwas holprig war und Maliks Stimme nicht stark genug rüberkam. Doch das ändert sich schlagartig, als sein Song "Rockstars" in den Rappart übergeht. Plötzlich hat Malik sehr wohl eine kraftvolle Stimme. Unterstützt von ausdrucksstarker Gestik und Mimik ganz à la Eminem (Maliks Vorbild) nimmt er die Zuschauer mit auf seiner emotionalen Reise. 

Das Abstimmungsverfahren bestand erstmals zu einer Hälfte aus Zuschauervotes. Und zur anderen Hälfte aus Radiohörern von neun ARD-Popwellen. Für letztere gehörte "Rockstars" zu den Favoriten. In allen Bundesländern gönnt man Malik den 2. Platz. Nur Bayern, seine Heimat, hat den deutsch-amerikanischen Sänger natürlich auf Platz 1 gesetzt. Und den bekommt er am Ende dann auch überraschend: denn im Zuschauervoting kassiert Malik die meisten Punkte (118).

Platz 2: Maël und Jonas mit "I swear to god" (185 Punkte)

Und damit landet der eindeutige Favorit der Hörervotes auf Platz zwei. Das Duo Maël und Jonas kassiert zwar stets 12 Punkte der Radiohörer (außgenommen Bayern, dort waren sie auf Platz 2). Das Televoting (79 Punkte) setzt sie dann aber hinter Malik. Schade, denn das symphatische Duo hat uns vor allem auch abseits der Bühne begeistert. Bülent Ceylan merkt nicht zu unrecht an: Jonas erinnert an den jungen Otto Walkes. Beim Auftritt gehen die Stimmen der beiden aber leider im Instrumental unter. Gesanglich wird es im Verlauf des Songs aber sicherer.

Platz 3: Nico Suave & Team Liebe mit "Hallo Welt" (157 Punkte)

"Hallo Welt, wie gehts dir? Warum so down? Wieso gibst du negativen Vibes nur so viel raum?" Ein Song über Positivität. Passt das aktuell? Die vierköpfige Gruppe hat sich überraschenderweise für einen anderen Text entschieden. "Hallo Welt, ich seh dich. Das macht mich down. Kannst du auch die Sterne grad nichts sehen bei all dem Rauch?" Und damit bewegt sich der nervig-positive Song hin zu einem bewegenden Song, der ein wichtiges Thema aufgreift: wie geht es uns gerade mit Krisen in der Welt? Was macht das mit uns? Die singende und rappende Gruppe harmoniert stimmlich sehr gut. Die Textänderung konnte ihnen aber nur im Televoting helfen, von Platz 4 (Radiohörer) auf Platz 3 (Televotes: 94 Punkte) zu rutschen.

Platz 4: Felicia Lu  mit "Anxiety" (139 Punkte)

Die 26-Jährige hat mit ihrem Song über Angst und Deppression ein spannendes Thema aufgeriffen - mit Erfolg. Radiohörer setzen den runden Popsong "Anxiety" auf Platz drei (außer MDR Jump: Platz 2). Felicia Lus gesangliche Leistung ist im Vergleich zu einigen anderen Kandidatinnen und Kandidaten wirklich treffsicher und stark. An manchen Stellen erinnert ihre Stimme auch an die junge Lena Meyer-Landrut. Und die durfte mit zarten 18 Jahren in Oslo an den Start gehen und mit "Satellite" den Sieg für Deutschland holen. So weit kommt es für Felicia Lu allerdings nicht. Für die "Anxiety"-Sängerin endet ihre Reise beim ESC im Vorentscheid. Das Televeoting mit 63 Punkten bringt sie von Platz 3 auf den vierten Rang. Bennets Favoritin ist und bleibt sie aber trotzdem. 

Platz 5: eros atomus mit "alive" (123 Punkte)

Eros hatte es nicht leicht. Der 21-Jährige musste mit "allive" einen Song performen, der thematisch aktuell nicht so recht passen will. Im Song heißt es "it is great to be alive", manchmal sogar "f***ing great to be alive". Im Gegensatz zu Nico Suave & Team Liebe konnte er seinen Songtext nicht mehr ändern. Das Ergebnis: Eros versucht so gut es geht den Song über die Bühne zu bringen. Gesanglich schafft er es auch. Und es gelingt ihm auch, als er etwa die Bühne verlässt und sich mit Bülent Ceylan einen Headbang-Battle liefert. Eros wirkt in seiner Performance aber durchweg etwas gehemmt - trotz seiner Lebensfreude und seinen im Wind wehenden Haaren. Während die Radiohörer ihn stets auf den letzten Platz setzen (außer Antenne Bayern: Platz 5), sieht das Televoting schon etwas besser aus (70 Punkte). Trotzdem reicht es damit nur für den 5. Platz. Wäre der Song zu einem anderen Zeitpunkt besser angekommen?

Platz 6: Emily Roberts mit "Soap" (53 Punkte)

Im Vergleich zu Felicia Lu bringt Emily Roberts eine schöne Show auf die Bühne - ganz im ESC-Chargon: Tänzer, die in überdimensionalen Plastikgugeln tanzen, echte Seifenblasen, die durch die Luft schweben und dazwischen Emily in einem babyblauen Glitzer-Tüll-Kleidchen. Die 28-Jährige insziniert sich damit ganz wie eine waschechte Pop-Prinzessin. Und will zeigen: ich bin ESC-tauglich. Was das Bühnenbild und Emilys optische Performance angeht, stimmt das auch auf jeden Fall. Leider waren aber die High Notes auf "Soap" für Emily zu hoch. Nahezu nie trifft sie den hohen Ton. Ihre Stimme wirkt brüchig. Schließlich hat sie dann auch noch einen Texthänger. Einige Sekunden lang hört man nur das Playback und sieht Emilys geschocktes Gesicht. Die "Soap"-Sängerin fängt sich aber wieder und endet den Song deutlich besser, als sie ihn angefangen hat. Ihren Patzer steckt sie später mit Humor weg. Aber trotz aller Symphatie: im Televoting gibt es für sie nur 7 Punkte. Überraschenderweise finden auch die Radiohörer den runden Popsong "Soap" nur für den letzten Platz würdig. Schade.

Von Rotterdam bis Bukarest

Beim 66. Eurovision Song Contest nehmen dieses Jahr 40 Länder teil. Immer mehr veröffentlichen ihre Lied-Beiträge. Meistens werden die Acts durch einen nationale Vorentscheidshow ausgewählt, ähnlich wie die deutsche "Germany 12 points". Manche Länder entscheiden sich aber für eine interne Auswahl. Vier dieser Länder haben wir uns in der aktuellen ESCape-Sendung näher angeschaut. Heraus kommt eine musikalische Zugreise von Rotterdam bis Bukarest.

Moldau: Zdob și Zdub & Advahov Brothers mit "Trenulețul"

So kompliziert der Name klingen mag, so einfach ist der Songtitel. Übersetzt heißt "Trenulețul" nämlich einfach nur "Zug". Und genau darum geht es auch in dem Song aus Moldau: um eine Zugfahrt von "Chișinău bis Bukarest". Für die Strecke von der Haupststadt Moldawiens bis in die Rumäniens braucht man mit dem Zug rund 13 Stunden. Langweilig wird es dabei aber nicht. Das Musikvideo zu "Trenulețul" zeigt einen auf den Zug hastenden Mann, der daraufhin die Fahrt seines Lebens hat. Im Zug sorgt eine Folk-Band für Stimmung und das Zugpersonal für Unterhaltung. Allen voran Frontmann Roman Iagupov von der Band Zdob și Zdub als aufgezogen lustigen Kellner, der rappend durch die Gänge tänzelt. Nicht nur das Video macht Spaß zu schauen, auch der Song macht super gute Laune. Zdob și Zdub war schon zweimal beim ESC dabei, 2011 landeten die Band mit "So Lucky" auf Platz 11. Dabei trugen sie übrigens riesige spitze Hüte auf dem Kopf und sahen damit aus wie zu groß geratene Zwerge. Fakt ist also: die Performanche in diesem Jahr wird defintiv schräg werden. Und wir freuen uns darauf.

Niederlande: S10 mit "De Diepte"

Hammer Name, hammer Song. Hinter S10 (gesprochen: "Es tien") steckt die 21-Jährige Stien den Hollander. Ihr Song "De Diepte" heißt übersetzt "Die Tiefe". Und dieser Song hat Tiefgang: Stien thematisiert darin psychische Probleme, Traurigkeit und negative Erinnerungen. Mit ihrem Song will sie Menschen Mut machen. Ganz nach dem Motto: "Ihr seid nicht allein damit". Der Song startet mit einem melodischen Gitarrenintro - Akustik natürlich. Dazu kommt Stiens traurig-schöne Stimme, bei der so viele Emotionen mitschweben. Da spielt es gar keine Rolle mehr, dass man nahezu kein Wort verseht. Denn Stien singt nicht auf Englisch sondern auf Niederländisch. Und das klingt so schön und melodisch als wenn S10 auf Französisch singen würde. Die Niederlande schickt also einen Song in der Landessprache ins Rennen. Und das ist tatsächlich recht ungewöhnlich, denn den letzten Song auf Niederländisch gab es 2010. 

Montenegro: Vladana mit "Breathe"

Zwei Jahre lang war Montenegro aus finanziellen Gründen nicht beim ESC dabei. Nun vertritt Vladana das Balkan-Land mit ihrem Song "Breathe". Und dafür hat die 35-Jährige sehr gekämpft. Schon zwei Mal (2005 und 2006) hat sie am nationalen Vorentscheid von Montenegro teilgenommen. In ihrem Song "Breathe" geht es natürlich ums Atmen. "Breathe, fight for your life", heißt es in den Lyrics.Tabita deutete den Text so: hier geht es um Depressionen und den Kampf, nicht aufzugeben. Das könnte man meinen, aber Bennet behält recht: "Breathe" thematisiert Atemwegserkrankungen durch Covid-19.  Und dazu hat Vladana einen ganz persönlichen Bezug: ihre Mutter verstarb aufgrund einer Corona-Erkrankung. Dieses tragische Erlebnis verarbeitet sie in einer Balkan-Pop-Ballade. "It just flew out of me", sagt sie über den Prozess des Songschreibens. Ein ergreifendes Thema und eine ausdrucksstarke Stimme. Wir denken aber nicht, dass der Song musikalisch aus der Masse hervorstechen wird.

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