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Junger Kulturkanal

LÄUFT

Perspektivwechsel

Auf der Suche nach neuen Klängen

© Ulrich Wiederspahn

Von Ulrich Wiederspahn am veröffentlicht.

Alles kann ein Instrument sein

Mit Schlagzeugerin Leonie Klein bin ich unterwegs, um herauszufinden, wie verschiedene Materialien klingen können. Ein Baumarkt ist der perfekte Ort, um das auszuprobieren - hier gibt es verschiedene Holzarten in allen Formen, Plastikmatten mit Noppen, Metallketten, Schrauben, Schaumstoff, Möbelfüße, Eimer, Schaufeln, Besen, Rechen, Blumentöpfe, Regenrinnen... Leonie hat ihre Schlägel eingepackt und befördert ungeahnte Klänge zutage.

Aber es macht nicht nur einfach Spaß, Geräusche neu zu finden; gerade modernere Kompositionen verlangen vom Interpreten, dass er sich zum Stück passende passende Klänge suchen soll. Es ist dann dem Schlagzeuger selbst überlassen, ob er zu einer Kette greift, die er auf den Boden wirft, oder ob er Möbelfüße aus Metall anschlägt. Andere Komponisten schreiben wiederum genau vor, welches Geräusche sie im Konzertsaal hören möchten, zum Beispiel das "Weiße Rauschen" bei Helmut Lachenmann - zwei Styroporplatten, die man aneinanderreibt.

Wie soll die Kette klingen?– Gedanken eines Schlagzeugers

Wichtig ist für Leonie hauptsächlich, dass die Komponisten eine klare Klangvorstellung von dem haben, was sie in ihrem Stück einsetzen. Eine Gießkanne nur um des Gags Willen auf die Bühne zu stellen, lehnt sie ab. Gestaltet der Komponist in seiner Partitur aber einen gekonnten Übergang von einem Geräusch in das nächste, sodass die beiden Klänge verschmelzen und in einen neuen Sound übergehen, dann ist das ein stark faszinierendes Erlebnis für sie.

Ich werde nach dem Besuch heute die Geräusche in meiner Umgebung ganz anders wahrnehmen!– Ulrich Wiederspahn