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Frühstücksmusik

Sport, Babys und die Bühne

Interview mit Prof. Laurent Albrecht Breuninger

© Milena Jaiser

Von Johannes Heuft am veröffentlicht.

Ein Musiker ist eine Mischung aus Sportler und Geisteswissenschaftler. Selbstkomponierte Stücke sind wie seine Babys. Und ohne die Konzertbühne geht es bei ihm nicht. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man mit Laurent Albrecht Breuninger spricht. Der komponierende Professor für Violine im Interview und Fragenhagel mit Johannes Heuft.

 

Johannes Heuft: Sie sind Professor für Violine hier an der Musikhochschule Karlsruhe und haben schon in der ganzen Welt Konzerte gegeben.

Professor Breuninger: Na ja, die Welt ist groß, ganz überall war ich noch nicht.

(lacht).

(lacht)

Ich habe gelesen, dass Sie bei Konzertenhauptsächlich unbekannte Werke spielen. Woanders habe ich gelesen, Sie spielen auch Klassiker. Ich bin etwas irritiert: Was stimmt denn jetzt?

Also, wie mein Vater immer sagte: „Das eine tun, das andere nicht lassen.“ Das hängt auch ein bisschen mit der, sagen wir mal, „Karriereplanung“ zusammen. Das ist ein Wort, das ich nicht so mag, aber ich kann es jetzt nicht besser ausdrücken. Wenn man anfängt auf den Markt zu gehen und die ersten CDs zu machen, kommt natürlich die Frage nach dem auf, was noch nicht da ist. Und da gibt‘s natürlich sehr viele vergessene Komponisten. Ich habe mir in der Zeit, als ich die ersten CDs aufnahm, ein Thema gesetzt: geigende Komponisten oder komponierende Geiger. Das war nicht nur Lipinski. Im Konzertbetrieb, also für Live-Konzerte, liegt dann der Fokus aber natürlich eher auf den zurecht bekannteren Werken.

Aktuell spielen sie eher wenige Konzerte. Warum?

Das kann man so nicht sagen. Ich stehe doch immer mal wieder und sehr gerne auf der Bühne. Das ist, wie das halt so ist in unserem Konzertbetrieb, ein Auf und Ab. Dass ich es jetzt vielleicht weniger tue, hängt natürlich auch mit meiner Unterrichtstätigkeit zusammen. Dieser versuche ich mit Leib und Seele und der ganzen Verantwortung, die damit zusammenhängt, gerecht zu werden.

Wenn Sie eine Zeit lang selbst keine Konzerte spielen, vermissen Sie das dann?

Ja, ich brauche das auf alle Fälle. Das merke ich schon, wenn ich das eine Zeit lang nicht getan habe. Also das eine ist dabei natürlich die Bühnensituation vor Publikum. Das ist etwas bei dem man auch merkt, dass man da vielleicht wieder reinwachsen muss, wenn man es länger nicht getan hat. Glücklicherweise bin ich in diesen Zustand noch nicht gekommen. Und das andere ist natürlich die geigerische Form. Das ist eigentlich wie im Sport. Wenn man sich eine Zeit lang nicht bewegt, dann rostet man ein.

Sie spielen nicht nur Geige, Sie komponierenauch selbst. Sind Siegerade dran an einem Werk?

Ich plane, beziehungsweise plane nicht nur, sondern habe schon begonnen mit einem größerem Werk. Ich will dem Baby jetzt noch keinen Namen geben, bevor es nicht geboren ist. Das hält mich, sagen wir mal gedanklich, schon seit vielen, vielen Jahren in Atem. Leider ist im Moment zeitlich einfach nicht viel drin. Oder nicht so viel, wie ich das gerne hätte. Das Komponieren braucht eine ganz besondere Art von Zurückgezogenheit und in sich Hineingucken, besonders wenn man es länger nicht getan hat. Das geht nicht auf Knopfdruck.

 

In dem Moment, wo ich das spiele, ist das Stück nicht von mir.– Prof. Laurent Albrecht Breuninger

Sie haben eben Baby gesagt. Wie ist denn der Bezug zu Ihren eigenen Werken? Hängt da das Herz wirklich dran wie an einem eigenen Kind?

Also meinen Kindern zuliebe muss ich sagen Nein (lacht). Aber irgendwie doch auch. Das ist natürlich unterschiedlich. Es gibt Stücke, von denen weiß ich: „Naja, das war mehr so ein Nebenprodukt.“ An anderen Stücken, das muss ich schon sagen, hänge ich. Es gibt ein Stück für Geige solo, das ich relativ oft auch in mein eigenes Konzertprogramm integriere. Wobei – ab dem Moment, wo man sie fertig geschrieben hat, führen sie auch ihr Eigenleben.

Wenn Sie Ihre selbst komponierten Stücke aufführen, wie fühlt sich das an, wenn das vom Publikum gut aufgenommen wird?

Ich selbst muss abstrahieren. In dem Moment, wo ich das spiele, ist das Stück nicht von mir. Aber natürlich freue ich mich über positives Echo, ganz klar.

Abstrahieren, schaffen Sie das auch, wenn so ein Stück mal nicht angenommen wird, was man selbst komponiert hat?

Ja. Bis jetzt war es meistens so, wenn so etwas kam, hat sich das auch so ein bisschen mit meinem eigenen Eindruck gedeckt. Aber naja, dieses Nicht-Angenommen-Werden ist Teil unseres Berufes, egal ob es jetzt als Komponist oder Interpret stattfindet. Berufsrisiko sozusagen. Da braucht man eine dicke Haut. Damit muss man leben können.

Können Sie sich noch an ein konkretes Konzert erinnern, wo irgendwie alles mehr oder weniger in die Hose gegangen ist? Oder vielleicht das Stück gut gespielt war, aber das Publikum nicht reagiert hat?

Natürlich. Ich kann mich erinnern, dass ich das erste Mal in meinem Leben das Violinkonzert von Beethoven gespielt habe, was ein Stück ist, was sehr reifen muss. Das habe ich damals unterschätzt. Das ging so weit, dass ich, ja, die ein oder andere schlaflose Nacht hinterher hatte, wo ich mir überlegt habe, ob ich den Beruf wechsle.

 

Ich kann mir nicht vorstellen zu unterrichten, ohne auf der Bühne zu stehen.– Prof. Laurent Albrecht Breuninger

Das geht dann schon an die Substanz.

Ja, durchaus.

Sind Sie eigentlich noch viel im Ausland unterwegs und wie schafft man das überhauptin Einklang zu bringen mit der Lehrtätigkeit, mit Familie, Freunden? Stichwort: Zeitmanagement.

Ja, relativ viel, wobei das natürlich immer eine Frage der Relation ist. Ich bin präsent hier in Karlsruhe, auf jeden Fall. Aber ich nutze trotzdem die sich bietenden Gelegenheiten, um den Austausch mit anderen Institutionen zu pflegen. Also, wenn es jetzt um die Lehrtätigkeit geht, aber auch mit der Bühne. Ich kann mir nicht vorstellen zu unterrichten, ohne auf der Bühne zu stehen. Das ist für mich eine unverzichtbare Erfahrung, die auch den Studierenden zu Gute kommt. Also, ich versuche und ich schaffe das auch in Einklang zu bringen.

Da muss es ja auch irgendetwas geben, was einen antreibt. Woher nehmen Sie die Energie?

Das ist eine gute Frage. Ich versuche, soweit es geht, gesund zu leben und mich gesund zu ernähren. Das halte ich generell für jeden Menschen, aber besonders für uns Musiker, die wir irgendwie so etwas zwischen Sportlern und Geisteswissenschaftlern sind, für extrem wichtig. Ausdauersport habe ich eigentlich schon als Teenager immer regelmäßig gemacht. Das ist mir relativ wichtig. Naja, ansonsten eine möglichst positive Lebenseinstellung, auch wenn es nicht immer leichtfällt.

 

 

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