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Ständig auf Achse

Der Dirigent Ronald Zollman im Porträt

© Leonie Klein

Von Lena Schmidtke, Leonie Klein und Stefanie Fiedler am veröffentlicht.

Ronald Zollman - Dirigent und Weltenbummler

Er ist ursprünglich Belgier, mittlerweile aber in vielen Ländern dieser Welt zuhause. Wenn er auf einer einsamen Insel leben müsste und nur noch einen einzigen Komponisten hören könnte, dann Mozart! Er hat mit über 150 Orchestern zusammengearbeitet und rund 1200 Stücke im Repertoire. Kurz gesagt: er ist leidenschaftlicher Dirigent - Ronald Zollman.

Im November 2018 ist er eine ganze Woche lang an der HfM Karlsruhe und probt mit den Studentinnen und Studenten des Hochschulorchesters Mahlers 5. Symphonie. Ziemlich kurzfristig ist Zollman für das Dirigat angefragt worden und hatte bloß 10 Tage, um sich auf die Probephase vorzubereiten. Warum das für ihn zum Glück kein allzu großes Problem war, hat er unserer Moderatorin Stefanie Fiedler verraten:

Man ist nie vertraut mit so einem Werk [Mahlers 5.]. Man kennt es besser, besser und besser. Aber man kennt es nie wirklich.– Ronald Zollman

Zeit, um in seiner Woche in Karlsruhe die Stadt zu erkunden, hat er kaum. Zwischen den Proben mit dem Hochschulorchester studiert er Partituren für seine nächsten Konzerte - denn Ronald Zollman ist fast immer unterwegs. Eine Woche nur zuhause rumhocken? Gibt's nicht! Ein richtiger Weltenbummler ist er, privat und beruflich, seit vielen Jahren. Leonie Klein hat die wichtigsten Lebens- und Dirigatsstationen des 68-Jährigen zusammengefasst:

© Lena Schmidtke

Mexiko, Israel, USA, Tschechien - das sind nur die bedeutendsten Punkte in seinem Lebenslauf. Ronald Zollman ist viel auf Reisen, insgesamt rund 16 Wochen pro Jahr. Seine Heimat war, ist und bleibt aber Belgien. Hauptgrund dafür: seine Familie. Für ihn war es vor allem wichtig, dass seine Tochter trotz seiner weltweiten Dirigate immer ein festes Umfeld hatte, zur selben Schule gehen und bei ihren Freunden bleiben konnte. Mit auf Reisen hat er sie und seine Frau natürlich trotzdem genommen - sodass seine Tochter als Kleinkind ihre ersten Schritte in Australien gemacht hat (wie sich das halt für das Kind eines Weltenbummlers gehört) und im Alter von sechs Jahren schon auf allen fünf Kontinenten gewesen ist.

Arktis und Antarktis fehlen noch auf der Dirigatsorte-Liste. Ansonsten hat Zollman schon auf allen fünf Kontinen dirigiert. Und kann deshalb bestimmt auch gut Vergleiche ziehen: Gibt's da eigentlich Unterschiede zwischen Musikern in den verschiedenen Ländern? Deutsche sind pünktlich, Kubaner temperamentvoll?

Und fügt noch eine kleine Anekdote aus seiner Zeit in Mexiko hinzu:

© Lena Schmidtke

Solche Geschichten kann Ronald Zollman aus jedem Land erzählen, in dem er dirigiert hat. Wer so viel rumkommt, sprich doch bestimmt auch mehrere Sprachen, oder? - Ja! Tatsächlich spricht Zollman sechs Sprachen fließend: Französisch, Flämisch, Spanisch, Englisch, Deutsch und Italienisch. Französisch, Flämisch, Englisch und etwas Deutsch hat er in der Schule gelernt. Spanisch und Italienisch hat er sich u.a. durch seine Dirigate in den entsprechenden Ländern angeeignet. Deshalb kann er sich fast überall problemlos verständigen - nur in China und Russland hatte er früher Dolmetscher. Mittlerweile sprechen die meisten Menschen dort auch Englisch.

Großen Wert legt Zollman auch auf die Arbeit mit jungen Musikern. Deswegen nimmt er regelmäßig Dirigats-Tätigkeiten mit Jugend- oder Universitätsorchestern an, etwa in Australien, den Niederlanden, England, Belgien oder Kuba. In Karlsruhe ist er schon im Juni 2018 gewesen und jetzt für eine weitere Probephase an die HfM zurückgekommen. Auf dem Plan steht - wie schon geschrieben - Mahlers 5. Leonie Klein war bei einer der Proben mit dabei und hat Impressionen eingefangen.

Er ist so ein sympathischer Mensch. Er hat seine Autorität, aber er kann das auf eine gute und nette Weise vermitteln.– Geigerin Charlotte Reece über Ronald Zollman

Die Arbeit mit Zollman begeistert junge Musiker offensichtlich - und umgekehrt: die Arbeit mit jungen Musikern begeistert auch Zollman: sie brauchen seiner Meinung nach zwar etwas länger, um Neues zu verinnerlichen, bringen gleichzeitig aber mehr Begeisterung und ein tieferes Empfinden für die Musik mit. Für sie sei so eine Probe mit Abschlusskonzert ein "Event". Alles läuft aber natürlich nie glatt - wird der Ton während so einer Probe dann auch mal rauer? Das wollte Moderatorin Stefanie Fiedler wissen:

Sechs Stunden pro Tag probt Zollman mit den Studenten des Hochschulorchesters. Für alle ein hartes Stück Arbeit - die aber gerne in Kauf genommen wird. Denn am Ende der Probewoche steht das Abschlusskonzert an. Und dann soll Mahlers 5. in seiner schönsten Fassung erklingen. Und wird es die geben, Herr Zollman?

Nach seiner Zeit in Karlsruhe will sich Zollman auf seine neue Anstellung als Chefdirigent bei der Pilsner Philharmonie in Tschechien konzentrieren. Gleichzeitig hofft er, dass er in der Zukunft auch noch in neuen Ländern dirigieren darf. Er geht aber immer wieder gerne an die Orten zurück, die er schon kennt - und zwar regelmäßig.

Dirigiert er demnächst also wieder in Karlsruhe? Wir werden sehen...