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Junger Kulturkanal

LÄUFT

Über die dunkle Wolke der Sozialen Medien

Ein Gespräch mit Max Richard Leßmann

Von Alexandra Gulzarova am veröffentlicht.

Max Richard Leßmann ist Autor, Sänger, Songwriter und Podcaster. Ein 28-jähriger junger Mann mit einem großen Herz für seine fast 30.000 Follower. Jeden Tag verfasst er Gedichte und veröffentlicht sie unter #dasromantischegedichtiminternet. Durch regelmäßige Fragerunden hat Max einen vertraulichen Draht zu seiner Community erschaffen. Er spricht über die Mängel der Sozialen Medien, in wieweit sie uns blenden und was einem in dieser Welt voller verzerrter Spiegel hilft.

 

Die meisten deiner Gedichte beschäftigen sich viel mit Melancholie und Weltschmerz, woher kommt das?

Ich unterhalte mich unglaublich gerne mit Leuten. Mir bleibt nach Gesprächen oft noch was hängen, was ich weiterverarbeite. Ob das alles so melancholisch ist weiß ich gar nicht. Es gibt bestimmt Momente, in denen der Weltschmerz bei mir überhand nimmt, aber grundsätzlich versuche ich diesem Gedanken etwas abzugewinnen. Einen „turn“ zu finden, wie man es etwas besser aushält auf dieser Welt.

 

Du warst als Jugendlicher in einer Punkband, hat es dir geholfen, mit der Welt besser klarzukommen?

Es war alles sehr laut und extrem. Mir ging’s in dieser Zeit nicht so gut. Dabei habe ich eben gemerkt, dass ein anderer Ansatz für mich und mein Leben besser wäre. Ich glaube, dass es wichtig ist, als Jugendlicher wütend zu sein, sonst kommt man vielleicht gar nicht dazu, dass man den anderen Weg authentisch wählen kann. Ich habe lieber mit Menschen zutun, die sich der Kämpfe bewusst sind, sich auseinander setzen und offen darüber reden können, was mit ihnen los ist. Ich hatte Schwierigkeiten mit meinen Freunden offen darüber zu sprechen. Viele drücken dieses Gefühl so weg und lenken sich dann ab.

 

Sich immer weiter und weiter zu vergleichen ist die Anleitung, um Unglücklich zu werden. – Max Richard Leßmann

Beneidest du denn die Menschen, die sich von Sozialen Medien ablenken lassen oder bereitet dir das Sorgen? 

Ich halt diese Menschen teilweise für zu gefährlich, weil all jene, die sich bemühen mit sich selbst klarzukommen, werden von solchen Leuten aufgehalten. Aber alle Dinge, die ich hier beschreibe, kenne ich ja auch von mir selbst. Etliche Stunden habe ich in Soziale Medien versenkt und bin versumpft. Ich verstehe auch den Reiz dahinter total, wie den Infinity Scroll bei Instagram zum Beispiel. Ich versuche die Aktivität aber so gering wie möglich zu halten. Ich bin niemand, der mit dem Zeigefinger durch die Welt rennt und sagt: „Ich weiß wie es geht“. Es wird eben erst dann ein Problem, wenn man merkt, es geht einem schlecht damit. Ich war schon oft an diesem Punkt und bin dann immer mal wieder mit mir selbst ins Gericht gegangen und habe hinterfragt. Wie ist denn das, wie fühle ich mich damit?

Weil ich dich favorisier’, folg ich keinem Menschen außer dir– aus "Ich wünschte" Max Richard Leßmann

Selbstreflexion ist also ziemlich wichtig?

Ich glaube, dass Selbstreflexion auf jeden Fall sehr wichtig ist. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass viele Menschen heute viel reflektierter sind, als sie es vor 10-20 Jahren waren. Trotzdem kann es wirklich helfen auch andere mit einzubeziehen. Im therapeutischen Kontext also, über solche Dinge zu sprechen, sodass ein ganz anderes Maß an Reflexion entsteht. Durch kleine Denkanstöße von Freunden zum Beispiel. Das ist das, was ich jedem empfehlen kann. 

 

Obwohl du täglich auf Instagram unterwegs bist, hast du nur eine Person abonniert, deine Frau, wie kommt das?

Ich hab mal den Song „Ich wünschte“ geschrieben und da gibt es eine Zeile die geht: „Weil ich dich favorisier’, folg ich keinem Menschen außer dir“. Ich finds eine tolle Grundmessage. Zu sagen, alles andere interessiert mich nicht, so sehr wie du mich interessierst. Außerdem hält man sich selbst davon ab, zu sehr zu versinken und zu vergleichen. Egal wie erfolgreich du bist, du wirst immer jemanden finden der erfolgreicher, schöner, reicher und einen noch tolleren Urlaub hat als du. Um sich irgendwie davon abzuschirmen, empfand ich das als eine ganz gute Idee. Es hat sich auch für mich bewährt und für die nächste Zeit werde ich das auch nicht ändern. Die Menschen, von denen ich gerne die Storys geguckt habe, die ruf ich dann lieber mal an. Die interessieren mich ja nach wie vor.

 

Wie hat es sich für dich angefühlt, als immer mehr Menschen deinen Account gefunden haben?

Für mich war es auf jeden Fall total schön zu sehen, dass von Anfang an so eine Offenheit in der Community herrscht. Ich wollte auf meinem Account einen Ort schaffen, an dem man sich traut. Wo alles was man sagt, im Raum so stehen bleiben kann. Mir ist es wichtig, dass die Leute das Gefühl haben, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Es gibt gewisse Menschen, die immer wieder kommentieren und sich beteiligen. Ich kommentiere die Erlebnisse, die man mir schickt zwar auch ab und zu, aber der Ton sollte nie irgendwie verurteilend oder belehrend sein. Auch, wenn da manchmal Dinge sind, die ich anders sehe. Ich bin ein sehr durchlässiger Mensch, der manchmal sein Herz zu weit aufmacht und da muss ich etwas vorsichtiger sein, auch wenn es den Menschen schlecht geht.

Ich stehe ja nicht in der Verantwortung seelsorgerisch tätig zu sein. Ich bin in erster Linie Künstler - antworte auf künstlerische Art und Weise. Wenn ich dann auch noch hilfreich bin, dann ist das total schön, aber der Seelsorger zu sein ist nicht meine vorgesehene Rolle und dafür ist das Format auch nicht das Richtige.

 

    Er hat eine so simple und schöne Art seine Gedanken zu Liebe, Herz- und Weltschmerz in ein paar Zeilen aufzuschreiben. Im Grunde genommen speichere ich mir jeden Post ab, weil ich neidisch bin wie gut er es schafft, das schön zu verpacken, was ich nicht in Worte fassen kann– Instagram: romaiin_s