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Über die dunkle Wolke der Sozialen Medien

Ein Gespräch mit Max Richard Leßmann

Von Alexandra Gulzarova am veröffentlicht.

Max Richard Leßmann ist Autor, Sänger, Songwriter, Podcaster und ein junger Mann mit einem großen Herz für Menschen. Jeden Tag schreibt er Gedichte und veröffentlicht sie unter #dasromantischegedichtiminternet. Durch regelmäßige Fragerunden hat Max einen sehr engen und vertraulichen Draht zu seiner Community erschaffen. Ich habe mit ihm über die dunkle Seite der Sozialen Medien gesprochen, in wieweit wir uns blenden lassen und was uns in dieser Welt voller verzerrter Spiegel hilft.

 

Die meisten deiner Gedichte haben ja viel mit Melancholie und Herz-/Weltschmerz zutun, woher kommt das?

Ich unterhalte mich unglaublich gerne mit Leuten und komme auch durch Gespräche oft dazu, dass irgendwas hängen bleibt und ich das Gefühl habe, dass ich es noch verarbeiten möchte und abschließende Gedanken dazu mache. Ob das alles so melancholisch ist, weiß ich gar nicht, es gibt bestimmt Momente, in denen der Weltschmerz überhand nimmt bei mir, aber grundsätzlich versuche ich dem ganzen etwas abzugewinnen. Einen „turn“ zu finden, wie man die Dinge ein bisschen angenehmer gestalten kann und man es etwas besser aushält auf dieser Welt.

 

Hattest du als Jugendlicher eine ähnliche Einstellung?

Ich war damals sehr wütend und hab auch in einer Punkband gespielt, alles sehr laut und extrem. Auf diese Art habe ich schonmal versucht mit der Welt klarzukommen und mir ging’s dabei nicht so gut. Da habe ich eben auch gemerkt, dass ein anderer Ansatz für mich und mein Leben besser wäre, und ich freu mich, wenn ich den ein oder anderen auch inspirieren kann. Ich glaube, dass es wichtig ist, als Jugendlicher wütend zu sein, sonst kommt man vielleicht gar nicht dazu, dass man den anderen weg authentisch wählen kann.

 

Besonders kommt man auch nicht zu Veränderung, wenn man auf seiner Meinung verharren bleibt. 

Ich glaube, dass ich lieber mit Menschen zutun habe, die sich dieser Kämpfe ebenfalls bewusst  sind, sich viel mit sich selbst auseinander setzen und auch offen sind. Beispielsweise mit ihren Freunden darüber reden, was mit ihnen los ist. Ich hab selber, gerade zu der sehr wütenden Zeit meines Lebens, Schwierigkeiten gehabt es so offen zuzulassen. Viele drücken das so weg und lenken sich ab.

 

Sich immer weiter und weiter zu vergleichen ist die Anleitung, um Unglücklich zu werden. – Max Richard Leßmann

Beneidest du denn die Menschen, die sich von Social Media ablenken lassen oder hast du eher Angst, dass sowas möglich ist ?

Ich halt diese Menschen teilweise für zu gefährlich, weil all jene, die sich bemühen mit sich klarzukommen und schon ganz viel wissen, werden von solchen Leuten aufgehalten und kommen in Konflikte, die vielleicht nicht sein müssten.

Aber ich glaube ich neige sogar selber dazu. Alle Dinge, die ich hier beschreibe, die kenne ich ja auch von mir selbst. Ich bin niemand, der mit dem Zeigefinger durch die Welt rennt und sagt: „Ich weiß wie es geht“. Diese Sachen, die ich kritisiere, die haben auch sehr viel mit mir selber zutun. Auch ich habe etliche Stunden in Social Media versenkt und bin versumpft. Ich verstehe auch den Reiz dahinter total, auch diese Unendlichkeit. Der Infinity Scroll, dass man immer weiter und tiefer hineintaucht. Das sind ja Mechanismen, die sind einfach so gebaut und ausgelegt, dass das Suchtverhalten entwickelt. Ich mache das auch immer noch ab und zu, versuche es aber so gering wie möglich zu halten.Es wird erst dann ein Problem, wenn man merkt es geht einem schlecht damit, man kommt nicht damit klar. Ich war schon oft an diesem Punkt und bin dann immer mal wieder mit mir selbst ins Gericht gegangen und habe geschaut wie ist denn das, wie  fühle ich mich damit?

Mit sich selbst ins Gericht zu gehen, Selbstreflexion ist bei diesem Thema also ziemlich wichtig?

Ich glaube, dass Selbstreflexion auf jeden Fall sehr wichtig ist. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass viele Menschen heute viel reflektierter sind, als es irgendwann mal war. Trotzdem kann es wirklich helfen auch andere mit einzubeziehen. Im therapeutischen Kontext also, über sowas zu sprechen, sodass nochmal ein ganz anderer Impuls und Maß an Reflexion an den Tag kommen kann, durch kleine Anstöße. Das ist das, was ich jedem empfehlen kann.

Weil ich dich favorisier’, folg ich keinem Menschen außer dir“– "Ich wünschte" aus Liebe in Zeiten der Follower

Obwohl du täglich auf Instagram unterwegs bist, hast du nur eine Person abonniert, deine Frau, wie kommt das?  

Ich hab mal den Song „Ich wünschte“ geschrieben und da gibt es eine Zeile die geht: „Weil ich dich favorisier’, folg ich keinem Menschen außer dir“Ich finds eine tolle Grundmessage. Zu sagen, alles andere interessiert mich nicht, so sehr wie du mich interessierst. Außerdem hält man sich selber davon ab, zu sehr zu versinken und zu vergleichen. Egal wie erfolgreich du bist, du wirst immer jemanden finden der erfolgreicher, schöner, reicher und einen noch tolleren Urlaub hat als du. Um sich irgendwie davon abzuschirmen fand ich das eine ganz gute Idee. Es hat sich auch für mich bewährt. Ich werde das auch nicht ändern für die nächste Zeit. Die Menschen, von denen ich gerne die Storys geguckt habe, die ruf ich dann lieber mal an. Die interessieren mich ja nach wie vor.

 

© Alexandra Gulzarova

Das Wundertüten Prinzip von Instagram

Wie hat es sich für dich angefühlt, als immer mehr Menschen deinen Account gefunden haben?

Für mich war das auf jeden Fall total schön zu sehen, dass da von Anfang an so eine Offenheit herrscht in der Community. Ich wollte auf meinem Account einen Ort schaffen, an den man sich traut, indem alles so stehen bleibt. Ich kommentiere das zwar, aber der Ton sollte nie irgendwie verurteilend sein oder belehrend, auch wenn da manchmal Dinge sind, die ich anders sehe. Dann versuche ich das zumindest auf eine spielerische Art und Weise zu verpacken. Und ich habe gemerkt dass gewisse Menschen immer wieder antworten und sich beteiligen. Man muss natürlich dabei auf sich selber aufpassen, dass man sich trotzdem abgrenzt und sich nicht zu sehr emotional verknüpft. Denn mittlerweile sind es schon fast 30.000 Leute, die mir folgen.

Ich bin ein sehr durchlässiger Mensch, der manchmal auch sein Herz zu weit aufmacht und da muss ich etwas vorsichtig sein, auch wenn es dann Menschen schlecht geht. Ich stehe nicht in der Verantwortung seelsorgerisch tätig zu sein. Ich bin in erster Linie Künstler - antworte auf künstlerische Art und Weise. Wenn ich dann auch noch hilfreich bin, dann ist das total schön, aber der Seelsorger zu sein, das ist nicht meine vorgesehene Rolle und dafür ist das Format auch nicht das richtige. Aber die Gedichte und der Austausch mit der Community - das ist auf jeden Fall etwas, was total schön ist, dass die Leute das Gefühl haben, dass sie gesehen und wertgeschätzt werden und ich ihnen ein Stück weit helfen kann.