JKK

Junger Kulturkanal

LÄUFT

Ups!

Probleme, Pannen und Patzer auf der Bühne

© Ulrich Wiederspahn

Von Ulrich Wiederspahn am veröffentlicht.

[KURZE UNTERBRECHUNG - Wir bitten um einen Augenblick Geduld...]

© Ulrich Wiederspahn

Egal ob man ein Blackout hat...

Pannen sind nicht nur menschlich, sondern auch völlig normal und deshalb kann man sie auch gut verkraften - solange sie nur den Mitmenschen passieren und nicht einem selbst...

Wie aber reagieren, wenn das Mikrofon versagt oder man auf der Bühne stolpert? Mit diesen Fragen im Gepäck habe ich Ariane Bertz von der Moderatorenschule Baden-Württemberg in Karlsruhe besucht. Sie ist schon lange als Moderatorin und als Dozentin für Moderationstraining tätig und weiß genau, wie man Patzer auf der Bühne vermeiden kann und wie man reagieren sollte, wenn doch mal etwas Unvorhergesehenes passiert.

Hier könnt ihr das Interview mit Ariane Bertz nachhören.

© Ulrich Wiederspahn

... oder das Instrument streikt...

Tipps aus der Moderatorenschule

  1. Gut vorbereiten: Spontan reagieren kann man nur, wenn man schon zuvor über eventuell auftretende Probleme nachgedacht hat.
  2. Ruhig bleiben: ein Patzer ist kein Weltuntergang!
  3. Problem ansprechen: Eine Panne dem Publikum mitzuteilen, gibt beiden Seiten mehr Sicherheit nach dem Motto: "Ich habe das Problem bemerkt und wir versuchen eine Lösung zu finden".
  4. Lachen: Wenn im Publikum alle ihren Spaß daran haben, wenn man auf der Bühne stolpert, dann einfach mitlache -, das wirkt sympathisch.

 

© Ulrich Wiederspahn

... oder das Publikum sich langweilt...

Eine unfreiwillige Performence

Manche Pannen beenden Karrieren, bevor sie überhaupt richtig begonnen haben.

Moskau um das Jahr 1900: ein junger Cellist gibt sein erstes öffentliches Solokonzert – dem Anlass entsprechend ist er furchtbar aufgeregt als es losgeht; Er ist so durcheinander, dass er zu früh einsetzt und damit das Orchester durcheinanderbringt. Wie peinlich! Man beginnt von vorne; diesmal gelingt der Einstieg, aber nur wenige Takte später stolpert er über die Läufe seiner Solopassage. Himmel nochmal, wozu hat man denn solange geübt?! Abbruch, wir beginnen von vorne! Das leise Gekicher in den ersten Reihen macht die Anspannung auch nicht gerade erträglicher, jetzt ist der Musiker völlig durch den Wind, ihm rutscht der Bogen aus der schweißnassen Hand und fällt klappernd zu Boden. Aus dem Kichern im Zuschauerraum wird ein schallendes Gelächter – der Künstler dreht vollends durch: In einem rasenden Wutanfall springt er auf, hebt sein Instrument über den Kopf und wirft es mit Karacho zu Boden. Das Holz zersplittert und zu allem Überfluss stampft der Mann auf den Überresten seines Cellos herum und will dann schleunigst das Weite suchen. Aber daraus wird nichts, denn es verknoten sich die Cellosaiten mit den Schuhen des Pechvogels – ein Sturz ist nicht mehr zu vermeiden. Und um all dem die Krone aufzusetzen, prallt er auf einen Kollegen im Orchester, der rücklings vom Stuhl fällt und damit auch seinen Hintermann zu Boden reißt. Die anderen Orchestermitglieder heben schützend ihre Instrumente in die Höhe und fliehen soweit möglich aus dem Tohuwabohu auf der Bühne. Das Publikum ist nicht zu halten, sie brüllen vor lachen - einer applaudiert und ruft „Da capo, da capo!“ ein anderer verlangt „Vorhang zu!“.

Damit endet das Konzert des unbekannten Cellisten, mit einer leeren Bühne voller umgeworfener Pulte, durcheinandergewirbelter Notenblätter und einem ruinierten Cello.

© Ulrich Wiederspahn

... man darf sich nicht unterkriegen lassen!

Spontanität

Selbst dem besten Klaviervirtuosen sind die Hände gebunden, wenn ihm bei einem Konzert ein kaputtes Instrument vorgesetzt wird. Der rusische Prianist Igor Levit stand 2010 vor einem solchen Problem in China. Hier sollte er Beethovens Waldsteinsonate vortragen und die wie er sagt „heiligste Stelle“ beinhaltet ein As – und ausgerechnet dieses As war kaputt. Levit beschwert sich: „Wenn ich die Taste mit Pedal anschlage, erklingen alle möglichen Töne gleichzeitig, nicht nur das As“. Aber es ist zu spät um den Flügel zu reparieren oder auszutauschen. Was macht Igor Levit? Er ändert kurzerhand das Programm: Er spielt sieben Etüden von Franz Liszt stattdessen, in denen er das As nicht benötigt – mit Erfolg, das Publikum ist begeistert!

Wenn etwas so locker aus dem Ärmel geschüttelt wirkt, dann muss vorher etwas in den Ärmel hinein– Ariane Bertz über die Notwendigkeit einer Vorbereitung