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Campusradio Karlsruhe

Von Klassik zu Jazz

Ein Interview mit Liv Solveig Wagner

© Linnea Syversen

Von Pauline Link am veröffentlicht.

Liv Solveig Wagner ist Jazzsängerin und lebt in Berlin. Zweimal im Jahr gibt sie an der Hochschule für Musik (HfM) in Karlsruhe einen Meisterkurs in Jazzgesang. Auf welchen ungewöhnlichen Wegen sie zum Jazz kam und ob klassische Musikstudenten überhaupt Jazz können, erzählt sie im Interview mit dem Jungen Kulturkanal.

JKK: Starten wir mal mit einer kleinen Aufgabe für dich: Beschreibe dich bitte mal mit drei Worten.

Liv: Ich bin sehr gegensätzlich, kreativ und oft offen für neue Begegnungen.

 

„Mir war die Klassik, glaube ich irgendwann einfach zu langweilig“– Liv Solveig Wagner

Sehr gegensätzlich… Das passt zu deiner musikalischen Entwicklung, denn du hast ja eigentlich Geige studiert hier an der HfM Karlsruhe. Wie bist du damals zur klassischen Musik gekommen?

Ich wollte schon mit zwei Jahren Geige spielen. Meine Eltern machen auch Musik und konnten den Wunsch gut verstehen. Und da Zuhause nicht etwa die Beatles liefen, sondern eher Bach oder Vivaldi, lag das schon sehr nah, dass ich in die Klassik einsteige.

Also bist du in die Klassik reingewachsen. Wie kam es dann zur Entwicklung zum Jazz?

Mir war es in der Klassik irgendwann, glaube ich, einfach zu langweilig, immer Dinge originalgetreu nachzuspielen. Ich habe so gern gesungen und dann mit anderen Mädels ein A-cappella-Trio gegründet, die „Sound Sisters“. Über die Hochschule haben wir ganz viele Auftritte bekommen, das war so mein Einstieg in die Unterhaltungsszene.

Warum eigentlich die HfM Karlsruhe? Was macht die Hochschule aus?

Es ist natürlich auch so, dass man als klassischer Musiker immer guckt: Wo sind die guten Lehrer? Und das war dann für mich Karlsruhe.

© Unbekannt/ Liv Solveig Wagner

Das Abschlusskonzert eines Meisterkurses in der Hemingway Lounge in Karlsruhe

Wie ist es denn für dich jetzt als Dozentin im Meisterkurs Jazzgesang an der Hochschule zurück zu sein?

Das Gefühl, jetzt an die Hochschule zurückzukommen, ist ein ganz anderes als im Studium. Ich mache Jazz und es ist so eine lockere Stimmung. Ich glaube, deswegen kommen die Studenten auch ganz gerne in den Kurs, weil das so ein Gegenpol ist zu dem, was man auch so spürt an Druck an der Musikhochschule.

Die Schüler, die zu dir kommen, studieren ja klassisch Musik. Fällt es ihnen schwer in Jazz einzusteigen?

Es kommt auf die Hörerfahrung an. Es gibt Studenten, die lieben es Jazz zu hören. Ihnen Jazz beizubringen ist relativ einfach, weil sie es einfach schon im Ohr haben. Aber allgemein ist es ein sehr interessanter Prozess, der da stattfindet: Vom klassischen Gestus zum Loslassen und spüren, zu mehr Rhythmus.

Muss man denn Sänger sein, um an deinem Meisterkurs teilnehmen zu können?

Für mich ist es natürlich am einfachsten mit den Sängern zu arbeiten, weil ich denen keine große Technik erklären muss. Da geht es dann wirklich um den Sound, den man erzeugt, und die Stilistik. Es ist schon ein bisschen schwieriger, wenn beispielsweise Pianisten bei dem Kurs mitmachen. Da geht es dann erst einmal darum: Was macht der Bauch, was der Mund, wie fühlt man sich als Sänger, wie entspannt man sich?

Du förderst ja auch außerhalb des Meisterkurses junge Talente. Warum?

Es ist so: Ich bin Autodidaktin. Ich habe zwar viel studiert, aber ich habe mir auch sehr viel selbst beigebracht. Mir hat dabei immer so eine Mentorin oder ein Mentor gefehlt. Ich hatte zwar auch meine Geigenlehrer und meinen Gesangslehrer, aber im Prinzip bin ich dahin, wo ich jetzt stehe, alleine gekommen, durch Ausprobieren. Natürlich habe ich auch viele Fehler gemacht, aus denen ich gelernt habe. Inzwischen sind echt viele Jahre ins Land gegangen und ich will mein Wissen weitervermitteln - weil ich das auch schade finde irgendwie, wenn das so ganz bei mir bleibt.

 

 

© Henry Schulz

In erster Linie bist du ja Musikerin und nicht Dozentin. Wie würdest du einem Tauben deine Musik beschreiben?

Es ist eine Musik, in der man viele Stile wiedererkennt, die Basis ist so der Folk und ein bisschen Pop. Es sind auch ganz viele Parts drin, die einfach aufgehen instrumental mit Orchester, Bläsern oder Gitarre. Das klingt dann wie ein Klangkonstrukt, dass sich aufbauscht und es wird sehr atmosphärisch. Man sieht und fühlt glaube ich so Naturbilder, denkt vielleicht an Wald oder ans Meer.

Du arbeitest gerade an einem neuen Album. Kannst du uns ein paar Einblicke darin geben?

Genau, das Album ist schon fertig aufgenommen, wobei ich da noch Sachen justiere. An meinem neuen Sound schraube ich schon länger. Ich habe mir vor einem Jahr eine E-Gitarre ausgeliehen und da viel rumexperimentiert. Inzwischen habe ich mir eine neue E-Gitarre und so ein paar Effektgeräte gekauft und spiel in die Songs noch ein paar elektrische Gitarrensounds rein.  Im Juli war in Karlsruhe die Premiere mit meinem neuen Sound, aber ansonsten halte ich mich jetzt noch ein bisschen zurück mit Konzerten, weil ich nächstes Jahr eine Release-Tour machen will mit dem neuen Album.

Wenn du zwei Wünsche frei hättest, ob allgemein oder für deine Zukunft. Welche wären das?

Ein großer Wunsch ist, dass einfach mehr Verständnis und Toleranz da ist zwischen den Menschen. Was mich betrifft wünsche ich mir, dass ich den Schritt hinbekomme, dass ich mehr von meiner Musik leben kann. Morgens aufstehen und Musik machen, Musik schreiben.

Das Interview führte Pauline Link