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Wie ein Alien aus dem Space

Interview mit Afropop-Künstler SpaceboiRich

© GRYND

Von Tabita Prochnau am veröffentlicht.

Richard „Rich“ Anthony Nwanne tanzte schon bei den Rhythm Soldiers in Heidelberg. Heute boxt der 24-Jährige und macht eine Ausbildung zum Maurer. Musik macht der gebürtige Nigerianer mit dem Künstlernamen SpaceboiRich aber erst seit einem Jahr. Im Interview mit Tabita Prochnau spricht er über seine Songs, Karlsruhe, Nigeria, Gott und die Welt.

Rich,Du hast mal gesagt, dass Deine Heimatstadt Lagos die „beste Stadt der Welt“ ist. Was macht sie so besonders?

In Lagos bekommst du alles, was du willst. Like, von crazy bis normal – einfach alles. Es ist, als ob die ganze Welt in Lagos wäre. Vor allem die Vibes sind ganz anders als hier in Deutschland. Aber Deutschland ist auf seine eigene Art lit. Irgendwann habe ich hier auch tolle Menschen kennengelernt. Hier in Karlsruhe fühle ich mich zu Hause.

Ich weiß, was ich will und wo ich irgendwann landen will. Dank AJ City weiß ich: Wenn ich etwas sehe, I go get it – egal, was im Weg steht.– SpaceboiRich

Mit deiner Musik repräsentierst du aber nicht Karlsruhe, sondern
AJ City, das Ghettoviertel von Lagos. Warum?

(lacht) Weil AJ City mich zu dem Mann gemacht hat, der ich heute bin. Da habe ich alles gelernt, was ich heute weiß, fertig. In AJ City, da heißt es entweder fressen oder gefressen werden. Dadurch habe ich eine sehr starke Mentalität bekommen, weil man schon alles gesehen und durchlebt hat. Das hilft mir auch in meinem Leben hier in Karlsruhe. Deswegen: AJ City for life. 

Du hast früher zwar getanzt, Musik machst du aber erst seit einem Jahr, weil du eine Wette verloren hast.
Was kannst du darüber erzählen?

Die Leute, mit denen ich chille, sind alle kreativ - everybody got vibes. Wir haben gechillt, gesoffen und die Wette war dann: Wer verliert, muss irgendetwas vorsingen. Ich habe meinen Alk geholt, habe verloren, vorgesungen und meine Freunde haben es gefeiert. Sie meinten: „Das könnte dein Job werden“. Zu meinem Produzenten DER€J (HOH Records) kam ich dann über eine Freundin. Sie hat mich damit quasi überrascht. Ansonsten bin ich fokussiert. Ich weiß, was ich will und wo ich irgendwann landen will. Und dank AJ City weiß ich: Wenn ich irgendetwas sehe, I go get it – egal, was im Weg steht.

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Musik macht SpaceboiRich erst nachdem er eine Wette verloren hat.

Das Musikvideo zu deiner dritten Single „Amaka“ hat fast 1000 Aufrufe auf YouTube, deine aktuelle Single „Flex“ hat diese Klickzahl schon erreicht. Hättest du damit gerechnet?

Ehrlichgesagt, nein (lacht). Aber ich habe gute Arbeit geleistet und hart gearbeitet. Die Vibes waren da. Deswegen sind diese Klicks nicht ganz so überraschend. Weil ich Songs schnell schreibe, habe ich aber mehr Zeit in das Musikvideo für „Amaka“ reingesteckt, als in den Song selbst (lacht). Wenn ich einen Song schreibe, dann stelle ich mir vor, dass ich gerade mit jemandem rede. Die Wörter kommen dann einfach so reingeflogen (lacht).

Und wie bist du auf deinen Künstlernamen gekommen, SpaceboiRich?

Ich habe einfach gemerkt, egal, wo ich hingehe, egal, was ich mache: Ich bin immer anders. Leute gaffen immer so, als ob ich ein Alien wäre (lacht). In manchen Situationen könnte das an meiner Hautfarbe liegen. Aber ein Großteil ist einfach meine Persönlichkeit. Wenn ich so rüberkomme, als wenn ich nicht von hier bin: Maybe I’m probably from space. So bin ich auf den Namen SpaceboiRich gekommen (lacht).

Wie viel Richard steckt denn in Spaceboi?

Sehr viel Rich (lacht). Rich ist eigentlich der motherfucker, den es nicht interessiert, was andere über ihn denken. Und Space ist der ruhigere, entspanntere. Das merkt man auch in den Lyrics.

Leute gaffen immer so, als ob ich ein Alien wäre. Wenn ich so rüberkomme, als wenn ich nicht von hier bin: Maybe I’m probably from space.– SpaceboiRich

Ein Fan hat dir auf Instagram geschrieben, dass er an deinem aktuellen Song „Flex“ vor allem die „Spirituality“ schätzt.
Was bedeutet dir persönlich Glaube? Wer ist Gott für dich?

Gott ist Alpha und Omega, der alles auf der Erde geschaffen hat. Ich glaube an Gott, das merkt man auch in meinen Liedern. Die Spirituality in „Flex“ zeigt die eigene Persönlichkeit, also der, der du bist. Deine Persönlichkeit muss einfach herausstechen – egal, was andere Leute sagen. Denn diese Persönlichkeit hat Gott in dich hineingelegt. Und er hat einen Grund dazu, warum er das getan hat.

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SpaceboiRich weiß was er will: auf jeden Fall hoch hinaus

Zu deinen Lieblingskünstlern gehören Davido, Burna Boy, Wizkid und Fela Kuti – ein sehr politischer Künstler. Was genau begeistert dich an diesen Musikern?

Die Botschaft, die sie rüberbringen. Das, was sie sagen und das, was man in ihrer Musik versteht. Vor allem Fela Kuti hat sehr viel rübergebracht. Er hat mit seiner Musik für Nigeria gekämpft, für schwarze Leute. Mit seiner Musik hat er Menschen Hoffnung gegeben. Und das habe ich als eine sehr große Inspiration wahrgenommen. Auch Wizkid und Davido haben sehr viel Einfluss darauf, wie ich mich in meinen Songs ausdrücke. Über allen steht aber Timaya. Ich schätze seine Echtheit. Er erzählt davon, wie schwer das Leben schon war und wie einen Menschen verletzen, denen man sein Herz geschenkt hat. An genau solch einem emotionalen Song arbeite ich gerade.

Welcher ist dein momentaner Lieblingssong? – Und sag jetzt nicht „Flex“ von SpaceboiRich.

Ich muss dich enttäuschen, da muss ich „Flex“ sagen. Oder warte (lacht), ein kurzer sneak peek: Mein Lieblingssong ist gerade mein eigener Song „Party Hard“, der bald noch veröffentlicht wird. „Don Dada“ von meinem Lieblingskünstler Timaya mag ich aber auf jeden Fall auch.

Ist das nicht eingebildet, seine eigenen Songs am meisten zu mögen oder gehört dieser Stolz im Musikbusiness einfach dazu?

Wenn wir jetzt vom Business reden, dann ja. Wenn du irgendwas verkaufen willst, musst du es lieben, oder nicht? Was wäre ich sonst für ein Verkäufer? Außerdem liebe ich meine Songs, weil ich weiß, was ich darin sage.

Ich liebe meine Songs, weil ich weiß, was ich darin sage.– SpaceboiRich

Apropos Musikbusiness: Wie schwer hat man es als Afropop-Künstler in Deutschland?

Manche Menschen mögen Afropop nicht, das sind etwa 40 oder 30 Prozent. Aber großteils kommt die Musik gut an, weil die Leute meistens interessiert sind und wissen wollen, was man in den Songs sagt und was das für ein Beat ist. Obwohl sie solche Musik noch nie gehört haben, feiern sie sie trotzdem. Sogar mein Arzt hat es gefeiert, als ich ihm mein Musikvideo gezeigt habe (lacht).

Mit deiner Musik möchtest du weltweiten Erfolg haben – so wie deine musikalischen Vorbilder. Was musst du tun, damit du dein Ziel erreichst?

Einfach nicht aufhören – ganz einfach. Denn ankommen werde ich so oder so. Das ist nur eine Frage der Zeit.

SpaceboiRich veröffentlichte schon vier Singles: „Japaa“, „#Melanean“, „Amaka“ und „Flex“.
Seine erste EP erscheint voraussichtlich im Spätsommer/Herbst. 
Mehr Infos unter https://www.instagram.com/spaceboirich/.

Fotos: GRYND www.grynd.diamonds