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Junger Kulturkanal

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Witz komm raus!

Ulrichs "Humorführer"

© Ulrich Wiederspahn

Von Ulrich Wiederspahn am veröffentlicht.

Der Humorführer - zum lesen und zum hören

Vorwort

Der Witz ist ja nicht zum Spaß da. Daher soll dieser Humorführer Einblicke geben in Scherz, Ironie, Parodie, Satire und humoristische Imitationen in der Musikwelt. Aufgrund des Jugendschutzes, werden Sie sexuelle Anzüglichkeiten in diesem Humorführer nicht finden – ebenso wenig rassistische oder anderweitig deformierende Kalauer.

Der Humorführer Kapitel 1: Der gehobene Schmunzler

Gleich, ob auf Dinnerparties oder im Konzertsaal – Humor tut immer gut. Im folgenden eine Auswahl an klassischen Musikstücken, die Sie zur Untermalung eines fröhlichen Abends auflegen können, die aber auch durch aktives Zuhören in einer Livedarbietung sich als durchaus erfolgreich und effizient in der Lachmuskulaturbeanspruchung erwiesen haben. Ein Scherz oder eine Pointe im eigentlichen Sinne befindet sich nicht in dieser Musik, aber Humor braucht ja nicht immer einen Anlass, um lustig zu sein.

Joseph Haydn – nicht nur der Vater der Wiener Klassik, sondern auch ein altes Schlitzohr. Der vierte Satz seiner Sinfonie 88 unterhält durch Kontraste in der Lautstärke, unerwartete Wendungen und Wiederholung. Ein runder Abschluss für jeden Konzertabend oder auch während einer Autofahrt zu genießen. Für Dinnerparties weniger geeignet, da die Dynamik zu stark variiert. Greifen Sie in dem Fall lieber zur altbewährten "Unschuld vom Lande" der Adele aus Johann Strauss´ "Fledermaus".

Wenn die Sängerin schon lacht, dann kann das Publikum nicht widerstehen. Falls Sie aber Gesang nicht wünschen, dann greifen Sie vielleicht zu Beethoven: Der alte Grandler hat auch seine Witzigkeit in der 7. Sinfonie im Scherzo gefunden – sonst wäre ja auch der Name Scherzo nicht berechtigt gewesen…

Als letzte Rückfallebene oder wenn gar nichts anderes mehr geht, greifen Sie zum richtig harten Zeug: Jaques Offenbach, wer bei seinen Ouvertüren nicht lacht, hat kein Herz oder kein Ohr. Seine Musik schlägt immer ein wie eine Bombe, ganz besonders der Cacan aus "Orpheus in der Unterwelt". Wie praktisch, dass die lustigsten Melodien allesamt in der Ouvertüre aneinandergereiht sind. Bei diesem Höllentanz rastet jeder aus – garatiert!

 

Dieser Audio-Beitrag enthält Gema-Material und musste aus diesem Grund 7 Tage nach Veröffentlichung depubliziert werden.

Der Humorführer Kapitel 2: Die Parodie

Ist es nicht krass, dass ein schreiender Esel einfach viel mehr nach einer rostigen Wasserpumpe klingt als nach einem Huftier?! Wird sich Camille Saint-Saens auch gedacht haben, als er "die Ese" l- pardon: Ich meine natürlich „die Persönlichkeiten mit langen Ohren“ komponiert hat.

Damit sind wir mitten im Thema: die Verballhornung, also die Parodie. Das gibt es oft in der Musik: Man schreibt nicht nur ab, weil der Nachbar besser komponieren kann, sondern man verhonepipelt sich auch gerne gegenseitig. Bleiben wir noch bei Saint-Saens: Die Schildkröten aus seinem Karneval der Tiere sind angelehnt an den Cacan aus Jaques Offenbachs Operette „orpheus in der Unterwelt“ – nur eben viel viel langsamer.

Einschläfernder Humor – man sieht, dass die Parodie nicht weit weg von der Ironie ist. Ironie in der Musik kann zum Beispiel falsche Töne bedeuten. Ein Meister der falschen Töne war Dimitri Schostakwoitsch. Sein Klavierkonzert 1 ist voller falscher Töne – nicht dass der Pianist überfordert wäre oder Schostakowitsch ein Hassadeur gewesen wäre, nein! Er verschaukelt damit die alte Musik ein bisschen.

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Der Humorführer Kapitel 3: Die Sprache

Wissen Sie, wie Siegfried in der gleichnamigen oper von Richard Wagner, dem Drachen begegnet? Er sagt zu ihm: "Bist du ein Tier, das zu sprechen taugt? Wohl ließ sich von dir was lernen. Hier kennt einer das Fürchten nicht, sag, kann er´s von dir Erfahren?" Zwei Sätze später fängt der Drache an zu lachen und sagt: „Trinken wollt ich, nun treff ich auch Fraß!“ Dann Siegfreid (und ich betone, dasss das so wörtlich in der Partitur steht): „Eine zierliche Fresse zeigst du mir da, lachende Zähne im Leckermaul“. Also es ist unglaublich, wie so ein Text eEstandtteil des größten Opernzyklus aller Zeiten werden konnte.

Sie merken schon: Der Text trägt zum Humor in der Musik einiges bei. Erst recht in der Persiflage von Siegfried; in der Operette „Die Lustigen Niebelungen“ von Oscar Straus. Den übrigens bitte nicht verwechseln mit Walzerkönig Johann Strauß Sohn aus Wien und Richard Strauss Schnauzbartkönig aus München. Zurück zum Thema: Das Auftrittslied des Siegfried in „Die lustigen Niebelungen“ hat mit dem Siegfried aus Wagners Operndrama nichts gemein. Ein adeliger Schnösel, der auftritt und angibt. Solche Typen sind nur auf der Opernbühne erträglich – einigermaßen wenigstens.

Was auch immer gut bei Publikum ankommt ist Geschwindigkeit. Die Auftrittsarie des typisch englischen modernen Generalmajors aus Sullivans Operette „Die Piraten von Pencanze“ ist ein Paradebeispiel dafür.

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Der Humorführer Kapitel 4: Die Besetzung

Das lustigste Instrument überhaupt im Orchester ist wahrscheinlich das Fagott. Und bevor Sie jetzt denken, ich hätte was gegen Fagotte, dann möchte ich hier ganz energisch protestieren: Das ist schließlich kein Satz von mir, sondern von dem großen Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein. "The bassoon has always been called: the clown of the orchestra."(Aus Young Peoples Concerts - Humor) Das Fagott hat man schon immer den Clown des Orchesters genannt – Bernstein kann zwar auch nicht genau erklären, warum das so ist, aber man weiß es, wenn man Carl Maria von Webers Fagott-Konzert anhört. Es ist kein witziges Stück im eigentlichen Sinne – trotzdem wirkt die Musik durch dieses Instrument ziemlich lustig.

Weit größer ist der Einfluss auf den Spaßfaktor in der Musik, wenn man fremde Instrumente ins Konzert holt, die ja mal überhaupt nicht in die Besetzung passen. Zum Beispiel könnte man ja den den "Jägerchor" aus Webers Freischütz mal mit Kazoo spielen. Na gut, das klänge erstens etwas nach Bienenschwarm und zweitens gebe ich zu, dass ich mir das ausgedacht habe.

Was es aber wirklich gibt, ist die Kinder- oder Spielzeugsinfonie. Man ist sich nicht ganz sicher, ob sie wirklich von Joseph Haydn ist, aber das ist ein bezauberndes Stück für Streichorchester, kleine Flöte, Rätsche, Tröte und Vogelwasserpfeife. Die ist so nett, die kann man auch in voller Länge anhören...

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Der Humorführer 5: Songs, die ich einfach nicht mehr ernst nehmen kann

Es ist mit der "Wilhelm Tell-Ouvertüre", der "kleinen Nachtmusik" und sogar der sogenannten "Mondscheinsonate" nunmal so, das Sie ausgelutschter sind als ein gelbes Plastikbonbon. Der absolute Spitzenreiter in der Kategorie „Ausgelutscht“, Unterklasse „Gesang“, Fachbereich „Opernarien“, Spezialfall „Tenor“ dürfte die Leierkastenmusik von „La donna e mobile“ aus "Rigoletto" von Guiseppe Verdi sein. Diesen H-Dur-Walzer kennen die meisten der Hörer des Jungen Kulturkanals wahrscheinlich nur als den Pizza-Song. Und in der Tat: Die Eröffnung klingt wie ein Schluckauf, den man sich nach unbändiger Fresslust zugezogen hat – wahrscheinlich weil man Pizza gegessen hat...

Ein absoluter Ohrwurm, aber Vorsicht: Der Konsum dieses Liedes kann bei Opernfreunden, wie Feinden Stimmungskippungen produzieren und sollte daher nur unter ärztlicher Aufsicht gehört werden, bzw. mit einer Tschaikowsky-Sinfonie sofort neutralisiert werden können.

Was gibts noch? Oh ja, Plagiatsfälle. Sie erschüttern Politiker, Zivilisten und Musiker: Wenn einer hemmungslos von anderen abschreibt - dann geht das ja noch! Aber wenn das Ergebnis so viel mehr aufregt als das Original, dann hat man doch gehörig was falsch gemacht. Ich war zum Beispiel immer ein großer Fan der schwedischen Popgruppe Abba. Aber ich bin in der vergangenen Adventszeit mal aus der Disco geworfen worden, weil ich im Zwischenspiel von "Super Trouper" aus Versehen "Last Christmas" gesaungen habe - selbe Tonart, selbe Harmonien, selbes Tempo

Danke für gar nichts, Wham!

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