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Cellistin Jana Bojanowski im Interview

Mit 15: Abi & Auftritte auf Europas Konzertbühnen

© Evelyn Turinsky

Von Evelyn Turinsky am veröffentlicht.

Mit 15 Jahren steht Jana Bojanowski bereits auf internationalen Konzertbühnen, macht gerade Abitur und spielt auf einem historischen Instrument von 1845. Die junge Cellistin zählt zu den vielversprechenden Nachwuchstalenten der Klassik und beginnt im kommenden Wintersemester ihr Bachelor-Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe. 

Ein Gespräch über Musik als Rückzugsort und eine Suche, die nie ans Ende kommt.

Wie bist du zum Cello gekommen?

Eigentlich habe ich mit 3 Jahren mit Geige angefangen, da ich wie meine große Schwester auch Geige spielen wollte. Dann gab es einen Tag der offenen Tür am Konservatorium, wo ich ein Cello ausprobieren konnte. Ich habe es sofort für mich entdeckt. Mich faszinierten der tiefe Klang und auch die Größe des Instruments. Einen Monat lang habe ich meinen Eltern jeden Tag gesagt, dass ich nicht mehr Geige, sondern Cello spielen möchte und dann hatte ich meinen ersten Unterricht.

Ich habe es sofort für mich entdeckt. – Jana Bojanowski

Welche Rolle spielt deine Familie auf deinem musikalischen Weg?

Meine Eltern haben mich immer extrem unterstützt beim Spagat zwischen Schule und Musik. Ich habe seit meinem neunten Lebensjahr Unterricht in Basel bei Prof. Ivan Monighetti und sie haben mich immer dorthin gefahren. Auch auf Konzertreisen, Meisterkursen oder zu Wettbewerben begleiten sie mich abwechselnd.

Ich glaube, Menschen freuen sich überall über Musik, weil Musik etwas ist, das jeder versteht und wertschätzt. – Jana Bojanowski

Du bist für Konzerte und Festivals bereits in vielen europäischen Ländern unterwegs. Was nimmst du von diesen Reisen mit?

Letzten Sommer war ich beim Ravel-Festival in Saint-Jean-de-Luz in Frankreich, wo ich unter anderem mit Sol Gabetta arbeiten durfte. Außerdem bin ich oft an der Musikakademie Liechtenstein. Andere Reisen führten mich nach Italien, Slowenien, Estland und in die Schweiz. Ich glaube, Menschen freuen sich überall über Musik, weil Musik etwas ist, das jeder versteht und wertschätzt. 

Du bist auch am PreCollege der Hochschule für Musik in Karlsruhe bei Prof. Tatjana Vassiljeva-Monnier. Wie kam es dazu?

Zu ihr bin ich über einen Meisterkurs in Berlin bei Prof. David Geringas gekommen, der ihr Lehrer war. Jetzt bin ich in ihrer Klasse und beginne dort mein Bachelor-Studium im Wintersemester.

Was gehört dort alles zu deiner künstlerischen Ausbildung dazu?

Aktuell ist es primär Cello-Unterricht. Daneben habe ich auch Musiktheorie und Gehörbildung. Das findet aber nicht direkt an der Hochschule statt, sondern am Helmholtz-Gymnasium, wo ich gerade im musikgymnasialen Zug mein Abitur mache. Ein Dozent der Musikhochschule kommt regelmäßig an unsere Schule und bereitet uns auf das Musikstudium vor.

Gibt es Dinge, die du früher gemacht hast, für die du jetzt kaum noch Zeit hast?

Ich habe früher sehr viel Sport gemacht: Ballett, Schwimmen und Reiten. Aber nach und nach wurde alles zu viel, je näher das Abi rückte. Wenn jetzt alles geschafft ist, würde ich auf jeden Fall gerne wieder mit einem dieser Hobbys anfangen, zum Beispiel mit Tanzen.

Gab es für dich schon einmal einen Moment, in dem es schwierig wurde oder du gezweifelt hast?

Also an der Musik nie! Für mich ist sie eher ein Rückzugsort, etwas, woran ich mich immer festhalten kann. Deshalb hilft mir Musik auch in schwierigen Zeiten, zum Beispiel bei Schulstress.

© Evelyn Turinsky

Jana Bojanowski mit ihrem historischen Cello von 1845, das sie sich im Rahmen eines Stipendiums der Deutschen Stiftung Musikleben erspielt hat.

Beim 33. Wettbewerb des Deutschen Musikinstrumentenfonds hast du dir Anfang des Jahres ein wertvolles Meisterinstrument als Leihgabe erspielt. Was macht dieses Cello so besonders?

Es ist ein Cello des Geigenbauers Jean-Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1845. Als ich die ersten Töne darauf gespielt habe, war ich sofort begeistert. Es hat einen sehr warmen Klang, ist aber gleichzeitig sehr voluminös und kraftvoll. Vor allem bei den Klangfarben und der Dynamik habe ich viel mehr Möglichkeiten. Von Tag zu Tag lerne ich es besser kennen, das inspiriert mich sehr. Ich bin der Deutschen Stiftung Musikleben sehr dankbar, auf diesem Instrument spielen zu dürfen.

Wie lange darfst du das Cello spielen?

Zunächst bis 2027. Für eine Verlängerung muss man jedes Jahr erneut vorspielen. Spätestens mit 30 Jahren muss man das Instrument zurückgeben.

Es ist eine Suche, bei der man nie ans Ende kommt. Eine unerschöpfliche Quelle. – Jana Bojanowski

Was bedeutet Musik für dich persönlich?

Für mich bedeutet Musik Freiheit. Man kann sich selbst damit besser kennenlernen, weil man seine Emotionen gut ausdrücken kann. Mit einem Instrument kann man viel experimentieren und ist nicht festgelegt. Es ist eine Suche, bei der man nie ans Ende kommt, eine unerschöpfliche Quelle.

Jana Bojanowski im Audio-Interview:

Im Audio-Interview spricht Jana Bojanowski über ihre familiären Hintergründe, ihren Umgang mit Perfektionismus, eine prägende Erfahrung auf der Bühne sowie ihren Wunsch, ihre Musik auch in Zukunft mit anderen zu teilen. 

Mehr von Jana Bojanowski auf Instagram: https://www.instagram.com/jana_bojanowski/

Zum Thema Frauen in der Klassik haben wir auch einen eigenen Podcast: 

VOICES - Der »Frauen in der Klassik« Podcast 

Ein Podcast von Liv Berit-Heinz

Frauen in der Klassik gibt es mittlerweile viele. Sie spielen, unterrichten, leiten Chöre oder Orchester, organisieren Festivals, komponieren oder managen. Und trotzdem sind sie in ihrer Arbeit oft weniger sichtbar, werden anders bewertet oder gar nicht erst mitgedacht. Viele haben erlebt, dass ihnen weniger zugetraut wird, dass sie sich doppelt beweisen müssen oder, dass ihre Arbeit schlicht übersehen wird.

Dort setzt dieser Podcast an. Ich habe mit Frauen aus verschiedenen Bereichen der Klassik darüber gesprochen, wie sie Geschlechterverhältnisse in dieser Branche individuell erlebt haben.

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