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Frühstücksmusik

Über die Oper der Zukunft

Operndirektorin Rebekah Rota im Interview

Von Emma Dübner am veröffentlicht.

Oper scheint unzählig viele Regeln zu haben: Klatschen zwischen Sätzen ist verboten, man muss schick angezogen sein und Komponist:innen sollte man auch alle kennen. Nicht für Rebekah Rota. Die gebürtige US-Amerikanerin war selbst über 28 Jahre lang in der Oper tätig - erst als Sopranistin, dann Regisseurin, zuletzt als stellvertretende Operndirektorin und Opernmanagerin am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Daneben engagiert sie sich in Initiativen wie “Zukunft der Theaters - Theater der Zukunft”. Mit Emma Dübner spricht sie über Elitarismus und Offenheit in der Oper.

Theater erneut sich stets, es ist nie Malen nach Zahlen. Das ist das, was ich so sehr daran liebe.– Rebekah Rota

Wie kann man sich die Arbeit einer Opernmanagerin und -direktorin vorstellen?

Ich betreue Produktionen und bin die erste Kontaktperson zu Regie oder Ausstattung. Für die Sänger:innen muss ich Verträge verhandeln und Visa beantragen, wenn nötig. Zum Job gehören aber auch Recherchen für zukünftige Spielzeiten, andere Sänger:innen anhören und die Vorstellungen unter ihnen aufteilen.

Sie setzen sich gegen Elitarismus in der Oper ein. Was war der Auslöser dafür?

Ich habe recherchiert über die Griechen und deren Zugang zum Theater. Das Theater hatte damals eine zentrale Funktion: es füllte eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Unser Job als Theaterschaffende ist es, diese Aufgabe lebendig und relevant zu halten. Das kann nur gelingen, wenn wir uns nicht zurückziehen in einen Elfenbeinturm, sondern stets die Türen öffnen und diesen Zugang suchen, fördern und pflegen

Wie schnell Elitarismus entstehen kann, hat Rebekah in ihrer Schulzeit mitbekommen:

Was meinen Sie damit, wenn Sie davon sprechen, die Oper "offen zu gestalten”?

Jede Gruppe entwickelt eine eigene Sprache. Beherrscht man diese Sprache nicht, wird man ausgeschlossen. Im Englischen sagen wir dazu Gatekeeping. Die Selbstverständlichkeit dafür, was die Wörter bedeuten, wird manchmal als Waffe benutzt: Um die Menschen, die dazugehören, als Gruppe zu definieren, aber auch um andere auszugrenzen. Mir geht es darum, die Sprache transparent zu machen für Menschen, die das erste Mal ins Theater kommen. Und auch, dass die Angst weggeht eine angeblich doofe Frage zu stellen und dass jeder neu zu dieser Kunstform kommen kann - ohne Vorurteile.

Ich sehe eine unglaubliche Notwendigkeit, dass Menschen, die diese Kunstform verstehen und lieben, dafür kämpfen.– Rota

Nach den Jahren in Karlsruhe wechseln Sie nun nach Wuppertal, wo sie zur kommenden Spielzeit 2023/2024 als Opernintendantin beginnen. Wie unterscheidet sich der neue Job als Intendantin vom vorherigen?

Ich glaube, es wird sich nur in einem Punkt unterscheiden: Ich bin in Karlsruhe nicht die letzte Entscheidungsinstanz. Als Intendantin werde ich das sein und werde die Verantwortung für diese Entscheidungen tragen.

Laut Nicola Bramkamp sind Stand 2018 nur 20 Prozent der Beschäftigten in der Intendanz in Deutschland weiblich. Wirkt sich die niedrige Frauenquote auf Ihre Arbeit aus?

Die Gefahr bei den Ersten ist immer: Wenn man es nicht gut genug macht, wird es schwieriger für die Nachfolgegeneration. Wir sind zum Glück über diese Phase hinweg: Ich glaube, die Quote ist auch schon bei 30%. Und es gibt ein bewusstes Engagement in der deutschen Theaterlandschaft, diese Zahl zu erhöhen und eine zeitgemäße Aufteilung zu finden. 

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