Rastatt brennt für Saltatio Mortis!
Die Karlsruher Band heizt dem Residenzschloss Rastatt ordentlich ein
© Kim Götz
Liebestrunkene Minnesänger, Barden mit zarten Lauten-Klängen und ganz viel Herzschmerz: So stellen sich viele die Musik des Mittelalters vor. Diese Beschreibung passt so gar nicht zur Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis. Das haben sie bei ihrem Konzert am 02.07.26 im Ehrenhof des Residenzschlosses Rastatt gezeigt. Mit harten E-Gitarren und Dudelsack-Riffs beweisen sie, wie laut und feurig das Mittelalter heute klingen kann.
Konzert als (fast) kostenloses Workout
Trotz der hohen Temperaturen benötigt das Publikum zwei Songs, um richtig warm zu werden. Als dann aber die ersten Klänge von Brunhild über den Schlossplatz schallen, haben die sechs Musiker die Menge in der Hand. Es gilt: Was Frontman Alea sagt, ist Gesetz! Man kann aber auch gar nicht anders. Bei der Energie, die dieser Mann auf der Bühne hat, wird selbst der größte Bewegungsmuffel mitgerissen. Der menschliche Gummiball Alea tanzt, springt und rennt über die Bühne. Das sieht allein beim Zuschauen schon anstrengend aus. Wenn er dann auch noch die Menge zum Hüpfen auffordert, kann man sich die Kosten für das Fitness-Studio diese Woche sparen.
© Kim Götz
Beweglich ist er auch noch: Frontsänger Alea im Spagat
Die Setlist ist ein wilder Ritt durch die Bandgeschichte. Mit dabei sind natürlich Pflichtnummern wie Prometheus und Wo sind die Clowns. Aber auch neue Songs wie Ich habe keine Angst und Ich schrei deinen Namen in die Nacht schaffen es auf die Setlist. Ein besonderer Moment des Abends ist sicher die Live-Premiere von Tanz der Tausend Klingen. Der Song erschien einige Wochen zuvor als Teil des Projektes “Staub und Schatten”. Trotz der angekündigten Nervosität von Seiten der Band, entpuppt er sich schnell als einer der musikalischen Highlights des Abends. Der old-school Heavy-Metal-Sound, gepaart mit dem eingängigen und mitreißenden Refrain, transportiert live eine besondere Stimmung.
Zu dieser Stimmung tragen auch die Spielstätten bei, in denen die Tour stattfindet. Bei der Saltatio Mortis Staub & Schatten-Tour handelt es sich um eine Burgentour. Alle Konzerte werden also auf Schlössern und Burgen gespielt - passend zum Ambiente der mittelalterlichen Instrumente und Texte. Das kommt auch bei den Fans gut an:
Feuer und Eis
Der Beiname Staub und Schatten kommt von dem aktuellen multimedialen Projekt der Band. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Fantasy-Autor Torsten Weitze entsteht eine Fantasy-Buchreihe aus fünf Büchern. Gleichzeitig mit jedem neuen Buch erscheint eine passende EP der Band. Die Songs behandeln und begleiten bestimmte Momente und Figuren der Reihe. Dadurch entstehen Texte und Sounds, die es verdient haben, auf einer besonderen Bühne aufgeführt zu werden.
© Kim Götz
Alea balanciert auf dem Drachenboot
Gleichzeitig gibt es eine Bühnenshow oben drauf. Passend zur Wüstenthematik der Buchreihe wird es heiß! Das Konzert ist von einer Pyro- und Feuershow untermalt. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch über zwei Masten daneben, wird gezündet was das Zeug hält. Da kann es in den ersten Reihen schon ordentlich warm werden.
In der Mitte des Konzertes verändert sich das Bühnenbild schlagartig. Thematisch reisen wir in den hohen Norden. Mit Songs wie Odins Raben oder Valhalla Calling wird eine richtige Eis-Welt auf der Bühne sichtbar. Jetzt ist auch Zeit für eine etwas andere Art der Publikums-Partizipation. Das sogenannte Crowdsurfing ist im Metal-Bereich ja nichts Besonderes mehr. Aber Crowdsurfing auf einem Wikinger-Drachenboot (siehe Foto) sieht man dann doch nicht alle Tage. Alea beweist hier seinen Sinn für Balance. Das „Zuschauermeer“ zeigt sich nämlich von seiner stürmischsten Seite und lässt das Boot ordentlich schaukeln. Respekt, dass man dabei überhaupt noch singen kann.
Zusammenhalt wird groß geschrieben
Das Gefühl, dass dieser Abend bei den Fans hinterlässt, lässt sich mit dem Wort „Gemeinschaft“ beschreiben. Nicht umsonst freut sich Sänger Alea über den Zusammenhalt bei Saltatio Mortis Konzerten. In einer kurzen Rede spricht er genau das aus, was auf einem solchen Konzert-Abend wichtig ist: "Hier sind wir alle gleich, wir sind eine Familie!". Diese Konzertfamilie passt aufeinander auf. Das sieht man zum Beispiel im Moshpit: Fällt einer hin, wird er sofort von mehreren Händen wieder aufgestellt. Das Klischee der aggressiven Metalheads, die sich im Moshpit die Köpfe einschlagen, ist laut Fans fehl am Platz.
Da traut sich Frontsänger Alea auch ohne Security in den Pit. Er ist ganz nah bei den Fans, umarmt sie und singt mit ihnen. Die enge Beziehung zwischen Band und Fans spiegelt sich in der Atmosphäre wieder. Da fällt es kaum auf, dass das Konzert nicht ausverkauft war. Gute Stimmung entsteht eben nicht nur durch eine große Menge an Zuschauer*innen. Viel wichtiger ist der gemeinsame Spaß. Und den merkt man auch: Sowohl bei den Fans, als auch bei der Band.
Mit dem traditionellen Schluss-Lied, dem Spielmannsschwur, verabschiedet sich die Band von der Bühne. Das Konzert macht dem Text des Songs alle Ehre. Saltatio Mortis hat in Rastatt gezeigt: Sie sind geboren, um Spielmann zu sein!